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UN-Mission Minusma :Mehrere Verletzte bei Angriff auf Bundeswehrsoldaten in Mali

Bundestag

Die Bundeswehr in Mali (Archiv).

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Wie das Einsatzführungskommando der Bundeswehr mitteilt, handelt es sich bei dem Angriff um einen Selbstmordanschlag. Medienberichten zufolge wurden mindestens zwölf deutsche Soldaten verwundet.

Angreifer haben im westafrikanischen Mali eine Patrouille deutscher Soldaten der UN-Truppe Minusma attackiert. Der Angriff erfolgte offiziellen Angaben nach am Freitag etwa 155 Kilometer nördlich von Gao, wo Bundeswehrsoldaten im Camp Castor stationiert sind.

Die UN-Mission Minusma bestätigte einen Angriff mit einer Autobombe und sprach von 15 Verletzten, ohne jedoch deren Nationalität zu nennen. Wie das Einsatzführungskommando der Bundeswehr auf Twitter mitteilte, handelt es sich bei dem Angriff um einen Selbstmordanschlag.

Mehr war beim Einsatzführungskommando zunächst nicht zu erfahren, die Informationslage blieb unklar. Einige Quellen berichten von zehn verwundeten Deutschen und einem belgischen Kameraden. Nach SZ-Informationen sprengte sich der Angreifer mit seinem Fahrzeug vor einem provisorischen Camp in die Luft, das ein Aufklärungstrupp der Bundeswehr außerhalb der Wüstenstadt Gao angelegt hatte. Der Sprengsatz detonierte demnach unmittelbar vor den Fahrzeugen der Blauhelme. Die Verletzten wurden anschließend in Hubschraubern nach Gao ausgeflogen. Minusma erklärte via Twitter, der Anschlag habe sich nahe der Ortschaft Tarkint ereignet. Es ist der erste Anschlag dieser Art auf die Bundeswehr, seit sich diese an der UN-Mission beteiligt.

Der französische Nachrichtensender France 24 berichtete unter Berufung auf Sicherheitsquellen, das Minusma-Kontingent habe das provisorische Lager erst am Donnerstag errichtet. Damit sollte das Abschleppen eines Militärfahrzeugs aus dem Konvoi des Aufklärungstrupps gesichert werden, das zuvor auf eine Sprengfalle gefahren und beschädigt worden war. Das Minusma-Kontingent begleitete demnach eine Einheit der malischen Armee, in die ehemalige Aufständische integriert waren, die vor einem Friedensabkommen mit Regierung im Jahr 2015 gegen die regulären Streitkräfte gekämpft hatten.

Die Deutschen sind mit etwa 900 Soldatinnen und Soldaten bei dem Blauhelmeinsatz vertreten und haben dort keinen ausgesprochenen Kampfauftrag wie in Afghanistan bis 2014. Ihr Beitrag zu der aus vielen Nationen bestehenden Truppe ist vor allem die Aufklärung. Dazu dienen einerseits unbewaffnete Heron-Hightech-Drohnen, andererseits aber auch Fußpatrouillen in und um Gao und weite Aufklärungsfahrten ins Umland.

In Mali geht es im Kern darum, an der Seite Frankreichs den Vormarsch von Islamisten in der Sahelzone zu stoppen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will nun aber etliche Soldaten nach Hause holen. Weniger als ein Jahr vor der Präsidentenwahl soll die internationale Mission die französische Operation ersetzen, der Einsatz ist in Frankreich zunehmend unpopulär.

Aber auch politisch stand die Strategie zunehmend infrage: Frankreich hat jüngst wie auch die USA die Zusammenarbeit mit der Armee in Mali eingestellt, nachdem diese Ende Mai zum zweiten Mal in neun Monaten geputscht und die zivile Übergangsregierung abgesetzt hatte.

Nach dem neuen Putsch durch das Militär in Mali schwand auch in Deutschland der Rückhalt für den Einsatz der Bundeswehr dort. "Wenn die unter anderem von Deutschland ausgebildeten Offiziere in Mali zu Putschisten werden und zur Zusammenarbeit mit Islamisten bereit sein sollten, wird unsere Ausbildungsmission als Teil des Antiterrorkampfes zur Farce", sagte Norbert Röttgen, Außenpolitikexperte der CDU, Ende Mai der Süddeutschen Zeitung. Diese hätte dann "umfassend ihre Legitimation verloren". Vor etwa einem Monat hatte das Militär in dem westafrikanischen Land zum zweiten Mal innerhalb von neun Monaten geputscht und die Staatsführung festgesetzt. Erst kurz davor hatte der Bundestag die Mandate für die Beteiligung der Bundeswehr an zwei Missionen in Mali verlängert.

© SZ/dpa/jael/berj/jkä/pkr/vd
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