Verteidigungsministerin:Bundeswehr verabschiedet Annegret Kramp-Karrenbauer

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Verteidigungsministerin: Die ehemalige Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU, M.) bedankt sich in Berlin bei der Bundeswehr für das Zeremoniell.

Die ehemalige Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU, M.) bedankt sich in Berlin bei der Bundeswehr für das Zeremoniell.

(Foto: Michael Kappeler/DPA)

Mit einem Großen Zapfenstreich, wie man ihn neulich schon bei Angela Merkel erleben konnte, erweist die Truppe der Saarländerin militärische Ehren.

Von Mike Szymanski, Berlin

Die Fackeln brennen, das Stabsmusikkorps der Bundeswehr setzt sich in Bewegung: Am Mittwochabend wurde nach dem Regierungswechsel nun auch die frühere Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) mit dem protokollarisch hochrangigsten Zeremoniell der Bundeswehr verabschiedet. Um 17.22 Uhr hieß es auf dem Appellplatz am Berliner Bendlerblock: "Großer Zapfenstreich zu Ihren Ehren angetreten."

Fast zweieinhalb Jahre war Kramp-Karrenbauer Verteidigungsministerin. "Sie hat das Herz am rechten Fleck", hat einmal ein General über sie gesagt. Ihr Herz für die Bundeswehr hat die 59-Jährige jedenfalls schnell entdeckt. Berührungsängste zeigte sie nicht, nahm auch mal ein Sturmgewehr in die Hand. Bemerkenswert ist nun, wen sie beim Großen Zapfenstreich als Ehrengäste neben ihrer Familie sehen wollte: Feldjäger, die das Ministerium bewachen, ihre Kolleginnen und Kollegen vom Ministerflur, Mitarbeiter aus der Küche, die Reinigungskraft ihres Büros. All diesen Mitstreitern widmete sie die Titelmelodie aus dem Western "Die glorreichen Sieben", eins von drei Stücken, die sie sich vom Stabsmusikkorps gewünscht hat.

Die Saarländerin hatte große Pläne und die Bundeswehr große Erwartungen: Kramp-Karrenbauer war CDU-Chefin, als sie auch nach dem Ministeramt griff. Sie sah sich 2019 auf dem Weg ins Kanzleramt, als Nachfolgerin von Angela Merkel. In der Truppe dachten viele: Es könne nicht schaden, wenn eine Politikerin mit solchen Ambitionen nun für ihre Belange kämpfen würde.

Es kam dann anders. Vor allem verlor Kramp-Karrenbauer an Macht: Anfang 2020 musste sie erkennen, dass sie der CDU nicht die starke Führung geben konnte, die diese brauchte. Sie gab als Parteivorsitzende auf, auch wenn es wegen interner Querelen und Corona noch fast ein Jahr dauern sollte, bis in Armin Laschet ein Nachfolger gefunden war.

Der Übergang von der alten zur neuen Ministerin verlief frostig

Kramp-Karrenbauers Bilanz als Verteidigungsministerin fällt gemischt aus: Sie wird in die Geschichte des Hauses als jene Ministerin eingehen, unter deren Führung Ende Juni der verlustreichste und kraftraubendste Auslandseinsatz der Bundeswehr beendet wurde. Nach fast 20 Jahren hat Deutschland seine Soldatinnen und Soldaten aus Afghanistan zurückgeholt. Keine andere Mission prägte die Bundeswehr mehr: Etwa 93 000 Frauen und Männer waren in Afghanistan im Einsatz, 59 verloren ihr Leben dabei.

Der Abzug der internationalen Truppen kam völlig überhastet, die Taliban übernahmen wieder die Kontrolle in Afghanistan. Im August musste die Bundeswehr noch einmal zurück, um Tausende Staatsbürger und Schutzbedürftige auszufliegen. Eine Evakuierungsoperation, wie sie die Bundeswehr noch nicht erlebt hatte. Die Truppe musste beweisen, wozu sie in der Lage ist, und das in einem Jahr, in dem schon der Einsatz in den Flutgebieten und die Corona-Hilfen sie extrem forderten. Als Dank hat sich Kramp-Karrenbauer eine eigens für die Bundeswehr komponierte Erkennungsmelodie gewünscht, die zur Image-Kampagne "Wir.Dienen.Deutschland" gehört.

In anderen Aspekten unterschied sich ihre Amtszeit weniger von der ihrer Vorgänger: Das Beschaffungswesen erwies sich als weiterhin dysfunktional. Einen Untersuchungsausschuss wegen fragwürdiger Beraterverträge erbte sie von ihrer Vorgängerin. Einen weiteren konnte sie gerade so abwenden; auf rechtsextremistische Umtriebe beim Kommando Spezialkräfte (KSK) reagierte sie rasch mit einem radikalen Umbau.

Sie wäre gerne Verteidigungsministerin geblieben. Sie hatte sogar schon Reformkonzepte für die Zeit nach der Wahl geschrieben. Doch dann wurde die SPD stärkste Kraft. Ihre Nachfolgerin, die frühere Justizministerin Christine Lambrecht (SPD), ist bereits durch robustes Auftreten aufgefallen. Die alte Führungsmannschaft wurde sofort kaltgestellt. Dem feierlichen Empfang der Neuen mit militärischen Ehren blieb Kramp-Karrenbauer jedenfalls fern, obwohl sie im Haus war. Laut Protokoll musste sie nicht dabei sein. So frostig kann ein Übergang ablaufen. Jetzt steht die neue Ministerin noch einmal neben der alten. Aber dieser Mittwochabend gehört Kramp-Karrenbauer. Ihrer Familie widmete sie den Soul-Hit "Higher & Higher". Das klingt so, als sei der Ärger schon verflogen.

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