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Bundeswehr in Afghanistan:Auswirkungen des verheerenden Krisenmanagements

Ministerpräsidenten, auch linke, protegieren die Standorte in ihrem Land, wegen der Arbeitsplätze. Firmen versuchen, Aufträge zu erjagen, selbst solche, die sie überfordern (wie Airbus derzeit beim Transportflugzeug A-400 M demonstriert, wo der Hersteller weder Kosten noch Terminzusagen einhält). Und Abgeordnete drängen darauf, dass möglichst viel Geld in ihren Wahlkreis fließt, selbst dann, wenn sie im Bundestag gegen den Verteidigungsetat gestimmt haben. Bei den für eine Koalition wichtigen Fragen orientiert sich eine Kanzlerin wiederum am Außenminister oder Vizekanzler; der gehört in der Regel dem Koalitionspartner an und ist zum Erhalt der Macht unentbehrlich.

Walther Stützle; oh

Walther Stützle, 68, war von 1998 bis 2002 Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium. Er lehrt Sicherheits- und Verteidigungspolitik an der Universität Potsdam.

(Foto: Foto: oh)

Hinzu kommt ein reichlich volles internationales Pflichtprogramm, mit Terminen in Europa, bei der Nato und an den mittlerweile zahlreichen internationalen Einsatzorten der Bundeswehr. Kurz: Jedem Amtsinhaber ist Schwerstarbeit gewiss, und mit Tricks zwecks Machterhalt ist das Haus nicht zu führen. Zumal in seiner unsinnigen Zweiteilung zwischen Bonn und Berlin.

Vertrauen in die Expertise des Hauses

Ungezählt sind die zwischen Bundesstadt Bonn und Bundeshauptstadt Berlin verschwendeten Reise-Stunden, damit Beamte oder Soldaten an Ausschuss-Sitzungen teilnehmen können, die dann kurzfristig abgesagt werden. Und nur Technikfreaks mögen glauben, dass Videokonferenzen sich für Themen eignen, die des bohrenden, beharrlichen Nachfragens von Angesicht zu Angesicht bedürfen; von vertraulichen Personalkonferenzen und -entscheidungen ganz zu schweigen.

Für den Führungserfolg ist das Vertrauen des Ministers in die Expertise des Hauses ebenso wichtig wie die Fähigkeit, politische Autorität durch kundige Amtsführung nachzuweisen. Zumal alles öffentlich ist oder wird, wofür nicht zuletzt politische Freunde und Neider sorgen; im Fall der Kundus-Tragödie mag noch Geschwätzigkeit hinzukommen, die aus Schadenfreude bei dem einen oder anderen Alliierten resultiert.

Aufgewühltes Wasser

Schließlich erwarten Soldaten und Zivilisten, dass "ihr" Minister sich um sie kümmert, vor allem aber, dass er sie in schwierigen Zeiten nicht hängen lässt. Genau das aber tat Jung - und Guttenberg hat diese Todsünde gleich zu Beginn seiner Amtszeit begangen; daran ändert auch seine Bekundung nichts, den früheren Kommandeur in Kundus, Oberst Klein, nicht fallen zu lassen.

Die Auswirkungen dieses verheerenden Krisenmanagements sind schon spürbar. Eine Brandung ist entstanden, die bereits an den Schutzmauern des Kanzleramts zu züngeln beginnt. Wasser, zumal aufgewühltes, findet immer einen Weg in die Hohlräume. In der Finanzkrise hatte Merkel ihren Steinbrück.

Das Ergebnis ist bekannt: Dessen Verdienste wurden ihr gutgeschrieben - vom Wähler. In Sachen Afghanistan hatte sie Franz Josef Jung, der wiederum von den nun Entlassenen, Staatssekretär Wichert und Generalinspekteur Schneiderhan, geschützt wurde. Nun hat sie Guttenberg und dessen erste Fehleinschätzung. Und einen Untersuchungsausschuss. Der wird sich letztlich auch mit ihr befassen. Und mit dem Thema: Führen im Krieg.

Walther Stützle, 68, war von 1998 bis 2002 Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium. Er lehrt Sicherheits- und Verteidigungspolitik an der Universität Potsdam.