Bundeswehr Die Feldjäger tragen am Barrett die Worte "Suum Cuique", Jedem das Seine

In einem bei den Studierenden populären anonymen Chat-Forum waren nach der E-Mail vom Oberst solche Posts zu lesen: "Auf N24 läuft eine Dokumentation über Rommel, muss ich meinen Fernseher jetzt kaputt schlagen? #allesmussraus". Ein User schreibt, er könne das mit den Durchsuchungen einfach nicht ernst nehmen, solange den Feldjägern "Jedem das Seine" am Barrett heftete. Die Feldjäger, Militärpolizei der Bundeswehr, tragen ein Abzeichen mit dem lateinischen Spruch "Suum Cuique", Jedem das Seine. Der Ausspruch wird dem römischen Kaiser Justinian zugeschrieben, doch er prangte auch am Tor des KZ Buchenwald.

Wenn nun auf Anordnung aus dem Verteidigungsministerium sämtliche Bundeswehrstandorte auf Wehrmachts-Devotionalien inspiziert werden sollen, dann ist der Anlass die Sorge, Rechtsextremisten oder rechtsextreme Netzwerke könnten die Truppe unterwandern. Aber das Gros fragwürdiger Artefakte liegt nicht in Verstecken, sondern wird ziemlich offen zur Schau gestellt. Bislang hat sich bloß niemand groß dafür interessiert.

Professor Friedrich Lohmann beschäftigt sich an der Münchner Bundeswehruniversität mit militärischer Berufsethik. Wenn Berlin die Kasernen auf Devotionalien durchsuchen lasse, sagt Lohmann, bleibe die eigentliche Frage unbeantwortet: "Was für ein Umfeld herrscht dort, wo solche Andenken möglich sind?" Um dies zu beantworten, müssten eigentlich Sozialwissenschaftler geschickt werden, um Einstellungen zu untersuchen, nicht Stuben.

Im Alkoholrausch, sagt der Soldat, der in München studiert, aber seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, sängen einzelne Kameraden schon mal alte Marschlieder. Nicht Nazi-Lieder, die ganz verboten sind, eher solche, die nach 1945 abgewandelt wurden, bei denen man aber nur ein paar Strophen vertauschen muss, damit sie wieder klingen wie vor 1945. Ein "Heil Hitler", auch im Suff, werde mit einiger Sicherheit von Kameraden beim Vorgesetzten gemeldet und ende mit dem Rauswurf, heißt es auch bei Soldaten an anderen Kasernen.

Aber Sinnsprüche der Wehrmacht an einer Stubenwand, Marschlieder? Mancherorts okay. Wo rote Linien verlaufen und was gemeldet wird, hänge stark vom Vorgesetzten ab, und wer sich das Bild eines Wehrmachtsgenerals an die Wand hänge, verherrliche nicht gleich den Nationalsozialismus, eher militärische Überlegenheit und verloren geglaubte Disziplin. Der Münchner Soldat sieht es so: "Für einige ist das Rückbesinnung in einer Zeit, in der die Bundeswehr immer weicher wird."

Der Münchner Student hat nun das Foto seines Großvaters in Wehrmachtsuniform entfernt

Dass die Truppe verweichliche, ist ein gängiger Vorwurf an die Verteidigungsministerin. Auch weil es seit Aussetzung der Wehrpflicht an Nachwuchs mangelt, hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, die Bundeswehr als Arbeitgeber attraktiver zu machen. Unter von der Leyen sind die 41-Stunden-Woche und Kinderbetreuung eingeführt worden.

Doch hinter vorgehaltener Hand sagt mancher Soldat: Lieber wäre ihnen, man würde sie als harte Kerle oder Kämpferinnen kennen statt als Soldaten, die sich gut in Gender-Erziehung auskennen. Was dabei "Rückbesinnung" oft heißt, zeigte sich beispielhaft, als 2011 in der Studierendenzeitung der Münchner Bundeswehruniversität Artikel erschienen, die gegen Frauen in der Bundeswehr agitierten sowie Anzeigen rechter Thinktanks. Es gab ein paar Schlagzeilen, Gerüchte, der Chefredakteur solle seinen Posten abgeben. Doch dann war wieder Ruhe.

Der anonyme Münchner Bundeswehr-Student nennt sich selbst einen Soldaten aus Idealismus. Nun hat er das Foto seines Großvaters in Wehrmachtsuniform aus seiner Stube genommen. Warum er nicht einfach den Opa in zivil da hängen hatte? "Er war eben ein Soldat wie ich."

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