Militärische Ehrung:Was ist der große Zapfenstreich?

Großer Zapfenstreich zum Ende des Afghanistan-Einsatzes

Großer Zapfenstreich zum Ende des Afghanistan-Einsatzes.

(Foto: dpa)

Alles begann im Jahr 1596, als ein Offizier mit dem Säbel über ein Bierfass strich. Doch was hat es heute mit dieser militärischen Tradition auf sich?

Wenn es dunkel geworden ist an diesem Mittwochabend in Berlin, dann werden auf dem Platz der Republik vor dem Reichstagsgebäude in einem Großen Zapfenstreich die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr gewürdigt, die am Afghanistan-Einsatz beteiligt waren, insbesondere jene 59 Männer, die während dieses Einsatzes ihr Leben verloren haben.

Anwesend sein wird die komplette Staatsspitze, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, der derzeitige Bundesratspräsident Reiner Haseloff, Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und General Eberhard Zorn, der Generalinspekteur der Bundeswehr.

Bereits am Nachmittag wird eine Delegation von Soldatinnen und Soldaten im Bundestag empfangen. Außerdem ist ein Gespräch des Bundespräsidenten mit Hinterbliebenen geplant. Der Große Zapfenstreich gegen 19 Uhr ist dann der Höhepunkt des Ehrentages für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Afghanistan-Einsatzes.

Doch was hat es überhaupt mit dieser militärischen Tradition auf sich?

Der Name Zapfenstreich stammt aus der frühen Neuzeit, er taucht erstmals 1596 auf. Er soll sich daher ableiten, dass ein Offizier mit dem Säbel über ein Bierfass oder dessen Zapfhahn strich als Zeichen, dass es sich ausgezecht hatte und nun die Nachtruhe anzutreten war. Die Landsknechte hatten sich in ihre Zelte oder Quartiere zu begeben und durften das Lager nicht mehr verlassen. Verstöße wurden "exemplariter abgestraffet".

Der "Große Zapfenstreich" ist ein sehr altes musikalisches Militärzeremoniell und zugleich das protokollarisch bedeutendste der Bundeswehr. Es kann zur Ehrung verdienter Persönlichkeiten abgehalten werden wie bei der Verabschiedung von Bundeskanzlern und anderen hochrangigen Politikern oder von hohen Offizieren, bei Gelöbnissen und militärischen Festakten wie nun zur Anerkennung der Soldatinnen und Soldaten, die im Afghanistan-Einsatz waren.

Diese Tradition geht auf die Befreiungskriege gegen Napoleon und auf Preußens König Friedrich Wilhelm III. zurück. Er war, als er 1813 die verbündete russische Armee besuchte, von einem Choral der Soldaten vor dem Schlafengehen dort so entzückt, dass er so etwas auch haben wollte und einen entsprechenden Befehl erließ. Daraus entwickelte sich das heutige feierliche Zeremoniell.

"Der Große Zapfenstreich wird von einem Spielmannszug und einem Musikkorps gemeinsam ausgeführt, die von zwei Zügen unter Gewehr und von Fackelträgern begleitet werden", so die offizielle Darstellung der Bundeswehr. In etwa dieser Form wurde er erstmals 1838 zu Ehren des russischen Zaren aufgeführt. Den Großen Zapfenstreich gab es in den Streitkräften der Kaiserzeit, in der Wehrmacht, der Nationalen Volksarmee der DDR und in der Bundeswehr.

Nachdem Musikkorps und Züge sich in Formation aufgestellt haben, folgt die Meldung an die Persönlichkeit oder die Persönlichkeiten, die es zu ehren gilt. Die Bundeswehr führt den Großen Zapfenstreich, je nach Anlass, gut zwei Dutzend Mal im Jahr auf.

© SZ/olkl/jkä
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Der Große Zapfenstreich soll Ausdruck von Dank und Anerkennung für den Einsatz in Afghanistan sein - und ist zugleich Symbol dafür, wie sich Bundeswehr und Gesellschaft entfremden.

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