Bundeswehr 75 Gewehre und Pistolen und 57 000 Schuss Munition fehlen

Unter den entwendeten Waffen befinden sich auch zehn Sturmgewehre des Typs G36.

(Foto: picture alliance / Patrick Seege)
  • In den vergangenen acht Jahren wurden bei der Bundeswehr 75 Schusswaffen verschiedener Typen und fast 57 000 Schuss Munition entwendet.
  • Dies geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage von zwei Grünen-Abgeordneten hervor.
  • Zudem wurden in den vergangenen zwei Jahren vier Soldaten als Angehörige der "Identitären Bewegung" identifiziert.

Bei der Bundeswehr sind in den vergangenen Jahren insgesamt 75 Gewehre und Pistolen sowie fast 57 000 Schuss Munition entwendet worden. Die Zahlen stammen aus einer vertraulichen Liste des Verteidigungsministeriums, berichtet der Spiegel.

Die Verluste seit dem Jahr 2010 betreffen demnach alle bei der Bundeswehr eingesetzten Waffentypen, darunter das Standard-Sturmgewehr G36 (zehn Stück), G3-Sturmgewehre (13), das schwere Maschinengewehr MG3 (sechs), Pistolen vom Typ P7 und P8 (insgesamt 19) und die jeweils passende Munition für die Waffen.

Besonders auffällig ist dem Bericht zufolge das Jahr 2014, in diesem Jahr kamen gleich 21 Waffen abhanden. Auch die Zahl der entwendeten Munition lag mit mehr als 20 000 Schuss sehr viel höher als in den anderen Jahren, wie das Magazin berichtete.

Vier Soldaten waren Mitglieder der "Identitären Bewegung"

Erstellt wurde die Liste nach einer Kleinen Anfrage der Grünen-Abgeordneten Irene Mihalic und Konstantin von Notz. Beide wollten vor allem wissen, ob sich möglicherweise rechtsextreme Soldaten bei der Truppe mit Waffen und Munition eingedeckt haben könnten.

Die Bundeswehr stufte die Liste als Verschlusssache ein. Die Zahlen der entwendeten Waffen müssten geheim gehalten werden, weil sie "einen Vertrauensverlust in die Funktionsfähigkeit der Bundeswehr" verursachen könnten. Mögliche Sicherheitsdefizite wiederum könnten bei der "Bevölkerung als Bedrohungspotenzial" wahrgenommen werden, heißt es in der Antwort auf die Grünen-Anfrage.

Mihalic kritisierte das Vorgehen. "Die Menschen verlieren nicht dadurch ihr Vertrauen in die Institutionen, dass solche Diebstähle vorkommen, sie verlieren es, wenn Behörden diese Vorgänge unter den Teppich kehren", sagte die Grünen-Abgeordnete dem Spiegel.

Die Regierungsantwort enthält auch neue Zahlen über Soldaten, die der rechtsgerichteten "Identitären Bewegung" angehören. Demnach wurden 2017 drei Soldaten und 2018 ein weiterer Soldat als Anhänger der Bewegung identifiziert und aus der Truppe entlassen. In drei weiteren Fällen sei der Verdacht bis zum Ausscheiden aus der Truppe nicht zweifelsfrei ausgeräumt worden.

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