Bundeswehr Mehr Soldaten, mehr Probleme

Ursula von der Leyen hat als Verteidigungsministerin viel Neues auf den Weg gebracht. Umsetzen müssen die Reformen aber wohl ihre Nachfolger.

(Foto: dpa)

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will die Zahl der Soldaten erhöhen. Der Applaus der Truppe ist ihr sicher - doch ihren Nachfolgern bürdet sie eine schwere Last auf.

Von Christoph Hickmann

Ursula von der Leyen kann man nicht vorwerfen, dass sie in ihrer Amtszeit als Verteidigungsministerin keine Neuerungen angestoßen hätte. Von der Leyen hat sich der Vereinbarkeit von Familie und Dienst angenommen und ein einigermaßen transparentes Risikomanagement für die größten Rüstungsprojekte eingeführt. Sie hat ein neues Weißbuch für die Bundeswehr auf den Weg gebracht, stellt eine eigene Cybertruppe auf - und nun will sie den Trend umkehren und die Bundeswehr nach den Schrumpfkuren der vergangenen Jahre wieder vergrößern.

Das ist alles erst mal respektabel - allerdings haben die allermeisten dieser Ankündigungen und Reformen eines gemeinsam: Falls von der Leyen, wie es viele erwarten, ihr Amt nach einer Legislaturperiode wieder abgibt, wird man sie nicht mehr daran messen können, was eigentlich daraus geworden ist. So verhält es sich auch mit dem Plan, die Zahl der Soldaten und zivilen Beschäftigten gut zweieinhalb Jahrzehnte nach dem Kalten Krieg wieder anzuheben.

Von der Leyen ist dafür erst einmal der Applaus der Truppe gewiss - doch die Last, das notwendige Geld zu erkämpfen, werden vor allem ihre Nachfolger tragen müssen. Verfehlen diese ihre Ziele (womöglich gar nach zähem Ringen mit einer Finanzministerin von der Leyen?), werden sie es sein, die als gescheitert gelten - nicht ihre Vorgängerin, die einst die ambitionierten Vorgaben gemacht hat.

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Heute schon sind viele Stellen nicht besetzt

Neben dem Geld gibt es ein weiteres Problem. Schon jetzt hat die Bundeswehr es schwer bei der Nachwuchswerbung, schon jetzt sind etliche Stellen nicht besetzt. Die demografische Entwicklung wird das Ganze in den nächsten Jahren nicht einfacher machen - auch wenn die Bewerberzahlen zuletzt besser waren. Hinzu kommt, dass die Zeiten vorbei sind, in denen junge Menschen einigermaßen gefahrlos entscheiden konnten, zum Bund zu gehen, weil der ihnen eben ihr Studium bezahle. Wer sich heutzutage bei der Bundeswehr bewirbt, muss damit rechnen, in echte, womöglich gefährliche Einsätze geschickt zu werden, oder monatelang, etwa auf See, unterwegs zu sein.

Für eine echte Trendwende braucht es deshalb mehr als Stellenpläne. Dafür müsste die Gesellschaft ihre Einstellung zu dieser Truppe ändern, die zwar allenthalben gelobt wird, wenn sie Sandsäcke schleppt oder Betten für Flüchtlinge bereitstellt - die aber sonst häufig wie ein kurioses Relikt aus vergangenen Zeiten betrachtet wird, über dessen marode Ausrüstung man sich lustig macht, das aber bloß nicht zu viel kosten soll. Was sich wandeln muss, ist das Gefühl dafür, welchen Wert äußere Sicherheit in einer unsicheren Welt hat.

Ministerin von der Leyen selbst kann in den verbleibenden eineinhalb Jahren bis zur Bundestagswahl noch einiges tun, um die Bundeswehr zu einem attraktiveren Arbeitgeber zu machen. Nur ein Beispiel: Trotz ihrer Ankündigung, wohnlichere Stuben zu schaffen, hausen viele Soldaten noch immer unter Umständen, die man keiner Klassenfahrt zumuten würde. Auch daran muss sie sich messen lassen.

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