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Bundeswehr:Flüchtlingskrise brachte die Bundeswehr an die Belastungsgrenze

Hochwasser in Sachsen-Anhalt - Magdeburg

So sehen Missionen im Inland aus: Soldaten schichten Sandsäcke gegen das Elbhochwasser auf - hier in Magdeburg.

(Foto: Jens Büttner/dpa)

Die hob auch von der Leyen am Mittwoch hervor, und das verdeutlichen schon die Zahlen. Zur Bewältigung des Andrangs waren auf dem Höhepunkt nach Angaben der Truppe täglich etwa 9000 Bundeswehrangehörige eingebunden, also Soldaten wie Zivilisten, die sich zum Beispiel darum kümmerten, kurzfristig Unterkünfte für Flüchtlinge bereitzustellen.

Im Hangar des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof etwa bauten Soldaten eine Zeltstadt für Hunderte Menschen mit auf. Die Truppe half zudem beim Transport, bei der Registrierung von Flüchtlingen oder war mit mobilen Röntgengeräten im Einsatz. Und auch jetzt noch hilft sie: Von gut 165 000 sogenannten Unterbringungsplätzen, die der Bund insgesamt stellt, steuerte die Bundeswehr im Juli noch immer mehr als 50 000 bei.

Durch den Rückgang der Flüchtlingszahlen hat allerdings auch die Belastung der Bundeswehr deutlich abgenommen. So waren im Juli lediglich noch gut 820 Soldaten und zivile Beschäftigte in der Flüchtlingshilfe gebunden, von denen allein knapp 260 zum Bundesamt für Migration und Flüchtlinge abgestellt waren. Auch die Zahl der Anträge auf Unterstützung der regionalen Behörden hat deutlich abgenommen. Waren es 2015 noch 866 sogenannte Amtshilfeanträge gewesen, waren es in der ersten Jahreshälfte 2016 nicht einmal mehr 200. In allen Bundesländern ist die Zahl der eingesetzten Kräfte seit Beginn des Jahres deutlich zurückgegangen. In Rheinland-Pfalz etwa lag sie im Juli bei 20.

Die Bevölkerung lernte ihre Truppe schätzen

Zwar werde die Bundeswehr auch weiterhin Hilfe leisten, heißt es in einem Bericht des Verteidigungsministeriums an den Bundestag - jedenfalls "bei Vorliegen der Voraussetzungen und unter Berücksichtigung der verfügbaren Ressourcen". Allerdings, so der Bericht weiter, sei es die Absicht des Ministeriums, die zur Amtshilfe abgestellten Kräfte "weiter schrittweise herauszulösen und in ihre originären Aufgaben zurückzuführen".

Tatsächlich war die Truppe zwischenzeitlich mal wieder an ihrer Belastungsgrenze angelangt - während in der Öffentlichkeit auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise sogar geschimpft wurde, die Bundeswehr sei ja gar nicht zu sehen. Dabei war es in der Anfangsphase schlicht so gewesen, dass die Bundeswehr ihre Hilfe angeboten hatte, die regionalen Behörden sie aber im Zuständigkeits-Wirrwarr zunächst nicht abriefen. Das besserte sich dann schnell. Und wieder einmal lernte die Bevölkerung ihre Truppe schätzen.

So wie 2013 in Sachsen-Anhalt, als Oberst Körbi die Schiffe versenken ließ. Damals hatte er auch noch eine Idee, wie mit dem Spektakel später umzugehen sei: Man solle die versenkten Schuten einfach nach dem Deichumbau liegen lassen, als Denk- und Mahnmal. Einmal abkärchern, "Plakette dran, fertig", sagt Körbi. Und heute? Drei Sommer später wird am Deich in Fischbeck immer noch gebaut. Doch die Arbeit der Bundeswehr im Inland ist hier auch ohne Denkmal in guter Erinnerung.

© SZ vom 04.08.2016
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