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Bundeswehr:Milliardenaufträge für die Rüstungsindustrie

Keuls Parteikollege, der verteidigungspolitische Fraktionssprecher Omid Nouripour, hält eine Bewaffnung der Fluggeräte deshalb zwar grundsätzlich für möglich, zeigt sich aber in einem entscheidenden Punkt skeptisch: "Was auf keinen Fall geht, ist eine Beschaffung solcher Drohnen ohne plausible Erklärung. Ich bin sehr gespannt darauf, wie die aussieht."

Elke Hoff, verteidigungspolitische Sprecherin der FDP, sieht das ähnlich: "Wir sollten genau wissen, für welche Szenarien die Bundeswehr diese einsetzen möchte - nur defensiv, oder auch offensiv. Das Argument 'Wäre schön, wenn wir das auch hätten', reicht alleine für eine Beschaffung nicht aus."

Ein Szenario wie in den USA, wo Geheimdienste die Flugobjekte in Ländern wie Pakistan und Jemen zur Tötung mutmaßlicher Terroristen einsetzen, ist in Deutschland bislang kaum vorstellbar. Dennoch haben Kritiker grundsätzliche Probleme mit Kampfdrohnen: Menschenrechtler fürchten eine "Dehumanisierung des Krieges", die schnelleres Töten ermöglicht.

Zudem führte der Einsatz solcher Waffen nach Recherchen des "Bureau of Investigative Journalism" in den USA dazu, dass die zivile Opferzahl deutlich zu niedrig angegeben wurde - womöglich auch, um die Mär vom chirurgischen Krieg ohne zivile Opfer aufrechtzuerhalten.

Industriepolitische Fragen spielen eine Rolle

Am Ende könnten allerdings nicht nur ethische, sondern auch industriepolitische Interessen die Entscheidung beeinflussen: Der Markt für Drohnen gilt als äußerst zukunftsträchtig und milliardenschwer. Cassidan, die Verteidigungssparte des deutsch-französischen Rüstungskonzerns EADS, hat bereits 500 Millionen Euro in das Drohnen-Pilotprojekt Talarion investiert, das derzeit auf Eis liegt. Die Konkurrenzdrohne trägt den Namen Telemos und wird von den Rüstungsfirmen BAE Systems und Dassault als britisch-französische Ko-Produktion entwickelt.

Noch ist unklar, ob die konkurrierenden Projekte zu einem europäischen Drohnen-Programm verschmolzen werden. In diesem Falle könnte sich Deutschland dazu verpflichten, einige Fluggeräte zu ordern. Bei diesen muss es sich allerdings nicht um Kampfdrohnen handeln: Auch in zivilen Bereichen wie der Überwachung des Luftraums lässt sich die Technologie einsetzen.

Im Verteidigungsministerium, so ist zu hören, bevorzugt man derzeit ohnehin das israelische Modell Heron oder die amerikanische Drohne Predator. Letztere gilt als äußerst erprobt, hat aber einen entscheidenden Nachteil: Die USA geben in bestimmte Systemkomponenten keinen Einblick. Die "Fernbedienung zum Töten" wäre damit für die Bundeswehr eine Black Box.