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Bundesverfassungsgericht:Der Lebensweg als Ergebnis glücklicher Umstände

Limbach blieb, auch beim Reden über solche Niederlagen, von gewandter Freundlichkeit. Sie kam ins Schwärmen, wenn sie von ihrer SPD-Familie erzählte: Die Urgroßmutter hat einen Arbeiter-, Frauen- und Mädchenverein gegründet; die Großmutter war Mitglied der der Weimarer Nationalversammlung, der Vater gleich nach dem Krieg Bezirksbürgermeister von Pankow.

Wenn Jutta Limbach ihren Lebensweg schilderte, neigte sie sehr uneitel dazu, ihn als Ergebnis glücklicher Umstände dazustellen. Ursprünglich hatte sie Journalistin werden wollen, studierte dann aber Jura, sah sich schon als Richterin, entdeckte ihre wissenschaftlichen Neigungen und begann mit der Habilitation, als sich gerade das dritte Kind ankündigte.

Sie wollte sich nie als feministisches Vorbild präsentieren, weil sie "mit geschlechtsspezifischen Widrigkeiten" nie zu kämpfen gehabt habe. Stattdessen erzählte sie gern von der "partnerschaftlichen Familienorganisation"; ihr Mann Peter Limbach war schließlich Organisationsprofi - er arbeitete als Leiter der Organisationsreferats im Bonner Innenministerium.

Sie habe, sagte Jutta Limbach gern, ihren Kindern "eine eigenwillige, wechselvolle Lebensweise und mehr Selbstständigkeit als ihren Altersgenossen zugemutet". Ein Schaden sei das nicht gewesen.

Ihre journalistischen Neigungen kamen Limbach zugute, als sie die Pressestelle des Bundesverfassungsgerichts aufbaute, das die Öffentlichkeitsarbeit bis dahin hatte schleifen lassen. Und der kluge Umgang mit der Öffentlichkeit zeigte sich auch, als sie Präsidentin des Goethe-Instituts war.

Zuletzt leitete sie, mit beharrlicher Energie, die Kommission der Bundesregierung zur Rückgabe der von den Nazis als "entartet" verfemten Kunst: "Ein Bild lässt sich abhängen, Schuld nicht" sagte sie dazu in ihrem letzten SZ-Interview vor zwei Jahren. Am Montag ist Jutta Limbach im Alter von 82 Jahren in Berlin gestorben. Sie wurde so alt, wie es Miss Marple im letzten Krimi von Agatha Christie war.

© SZ.de/dit
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