Bundestagswahlkampf im Internet:Was man in der Schule lernen muss? "Schreiben, lesen, rechnen"

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Den Beginn der Sendung bestreitet Lisa Sophie alias ItsColeslaw, eine junge Frau, von der man die Feminismus-Frage eher erwartet hätte. Die 22-Jährige setzt sich in ihrer Sendung durchaus mit gesellschaftspolitischen Fragen auseinander: Bisexualität, Menstruationsprobleme. Sie ist schonungslos dabei. Und hat sich für das Gespräch mit Merkel ein T-Shirt mit dem Spruch: "I don't get it" angezogen, vielleicht eine Erinnerung daran, immer wieder nachzufragen, wenn sie etwas nicht versteht.

Sie vergisst es trotzdem. Kein Wunder bei der breiten Themenpalette, die sie sich vorgenommen hat: Geringe Bezahlung im Pflegebereich, Unterschiede bei der Bildung, Ehe für alle. Das ist viel für zehn Minuten. Dabei hat Lisa Sophie ein gutes Kernthema, das ihr offensichtlich am Herzen liegt: Dass die Schulbildung an der Realität vorbeigeht und manchmal Vorurteile untermauert. Im Sexualkundeunterricht etwa sei ihr beigebracht worden, sie sei nicht normal, wenn sie Männer und Frauen liebe. Was müsste man denn unbedingt können, wenn man die Schule verlasse, fragt sie Merkel. Es ist klar, dass sie nicht die Grundkompetenzen meint. Doch Angela Merkel entgegnet trocken: "Schreiben, lesen, rechnen". Zu DDR-Zeiten hätte sie noch Werkunterricht gehabt. Praktische Erfahrungen machen, das sei sehr wichtig.

Wenns nichts so gut läuft, dann schickt die Kanzlerin auch mal "die Schnute"

Dank Alex Böhm alias AlexBexi weiß das Land jetzt, welche Smileys die Kanzlerin gerne verschickt: das Smiley-Smiley. Gerne auch mit Herzchen in den Augen. Wenn es mal nicht so gut laufe, dann gebe es auch mal "die Schnute".

Böhm ist versiert bei Technik-Themen, zum Beispiel beim Testen von Smartphones, hat aber auch einen Hang zum Blödsinn, er stellt gerne Musikvideos nach und liefert eine deutsche Übersetzung der Texte dazu. Die Frage nach den Smiley ist als Auflockerung gemeint, das Interview hat er souverän geführt. Böhm fragt direkter als Lisa Sophie. Nicht "was würden Sie Jugendlichen sagen, die ..." sondern "haben Sie das Ziel, bis 2020 eine Million Elektro-Autos auf die Straße zu bringen, aufgegeben?" Dreimal sagt Angela Merkel "nein". Böhm lässt nicht locker, am Ende wendet sich die Diskussion E-Bikes zu. Es gebe kein überzeugendes deutsches Modell, beklagt sich der Interviewer. Merkel wirkt fast empört: "Ich will ja keine Produktwerbung machen, aber es gibt da ein wirklich gutes Modell von einer Firma, die mit B anfängt."

Warum sie gegen die Elektroauto-Quote sei, die SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz anstrebe, fragt Böhm dann noch. "Das habe ich so nicht gesagt", entgegnet Merkel. Sie habe nur dazu angeregt, darüber nachzudenken, was passiert, wenn die Quote nicht erfüllt werden kann. Das ist kein unwahrscheinliches Szenario, Anfang des Jahres waren nur etwa 34 000 E-Autos in Deutschland zugelassen.

Es werde sicherlich viel Kritik geben, das sei normal nach einem solchen Format, resümieren die Youtuber am Ende des Live-Streams. Die Kommentarspalte unter dem Video ist gut gefüllt. Den einen ging es zu wenig um die Legalisierung von Cannabis. Andere sind überzeugt, Merkel sei eine Lügnerin. Zwischendurch schauten mehr als 50 000 Menschen den Live-Stream. Ob es das Format bald auch mit SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz geben wird? Dazu will die Produktionsfirma noch nichts sagen.

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