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Bundestagswahlkampf 2013:Grüne wollen es mit einem Duo versuchen

Mit einer Doppelspitze wollen die Grünen in die kommende Bundestagswahl ziehen, als wahrscheinlich gelten Claudia Roth und Jürgen Trittin. Eine Urwahl über die Spitzenkandidatur soll es nur dann geben, wenn sich Gegenkandidaten finden. Parteiintern ist die Personalie jedoch sensibel.

Michael Bauchmüller, Berlin

Die Grünen wollen mit einem Duo in die nächste Bundestagswahl ziehen. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung will die Parteispitze an diesem Montag einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten. Darauf habe sich die Grünen-Führung bei Beratungen am Wochenende verständigt. Eine Urwahl über die Spitzenkandidatur solle es nur dann geben, wenn sich Gegenkandidaten finden. Diese müssten aber schon bis zum Ende der Sommerpause ihre Kandidatur einreichen, hieß es.

Trittin will sich nicht zur Frage der Spitzenkandidatur aeussern

Sie werden die Grünen wahrscheinlich in den nächsten Bundestagswahlkampf führen: Parteichefin Claudia Roth und Fraktionschef Jürgen Trittin.

(Foto: dapd)

Damit wächst die Wahrscheinlichkeit, dass Parteichefin Claudia Roth und Fraktionschef Jürgen Trittin die Grünen in den nächsten Bundestagswahlkampf führen. Roth hatte ihre Ambitionen kürzlich per Interview kundgetan, Trittin gilt innerhalb der Partei schon als gesetzt. Ursprünglich gab es sogar Überlegungen, Trittin könne - wie einst Joschka Fischer - als alleiniger Spitzenkandidat auftreten. Dies sei aber durch die Äußerungen Roths unmöglich geworden, hieß es in Partei und Fraktion. Ohnehin ist die alleinige Kandidatur eines Mannes innerhalb der Grünen heikel; Spitzenpositionen sind streng nach Geschlechtern quotiert.

Eine Viererspitze, bestehend aus den Fraktionsvorsitzenden Trittin und Renate Künast einerseits und den Parteichefs Roth und Cem Özdemir andererseits, ist nach SZ-Informationen ebenfalls vom Tisch. Eine so breite Aufstellung erlaube "keine Zuspitzung", verlautete aus der Parteiführung. Offenbar befürchten führende Grüne aber auch, es könne im Wahlkampf zu Rangeleien um die öffentliche Aufmerksamkeit kommen.

Der Doppelspitzen-Vorschlag soll nun an diesem Montag Bundesvorstand und Parteirat unterbreitet werden. Stimmen die Gremien dem Vorschlag zu, könnte Ende April ein kleiner Parteitag der Grünen das Prozedere abschließend billigen. Käme es zu einer Urwahl, stünde dann bis zum Grünen-Parteitag im November das Spitzenpersonal fest. Findet sich dagegen niemand, der Roth und Trittin angreift, wäre dies bereits am Ende der Sommerpause der Fall.

Parteiintern ist die Personalie sensibel

Parteiintern ist die Personalie jedoch sensibel, weil beide der Parteilinken angehören. Bislang hatten die Grünen stets versucht, Spitzenpositionen auch ausgewogen nach den Parteilagern zu vergeben. Demnach müsste sich neben der Parteilinken auch der Reformerflügel im Spitzenteam wiederfinden. Ohnehin ist das Duo Trittin/Roth bei den Reformern umstritten. "Ich würde mir zwar wünschen, dass wir nicht mit mehr als zwei Personen in den Wahlkampf ziehen", sagt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer, selbst Reformer und Mitglied des Parteirats. "Aber es sollten auch alle Teile der Partei eingebunden sein."

Allerdings deutet sich bislang noch nicht an, dass es Herausforderer für Roth und Trittin geben wird. Parteichef Cem Özdemir hat bereits durchblicken lassen, dass für ihn ein Spitzenamt im Wahlkampf nicht zu den obersten Prioritäten zählt - jedenfalls noch nicht für die Wahl im Herbst 2013. Und Fraktionsvorsitzende Renate Künast, ebenfalls Teil des Reformerflügels, gilt intern als angeschlagen, seit sie bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus für die Grünen nicht so viele Stimmen erobern konnte wie erwartet. Bislang schweigt Künast beharrlich zu potentiellen Ambitionen. Noch bei der letzten Bundestagswahl war sie als Spitzenkandidatin angetreten - an der Seite von Jürgen Trittin.

© SZ vom 19.03.2012/fran/lala
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