Bundestagswahl Nur 20 Kandidatinnen für eine ganze Partei

Ein Suchbild für den Frauenanteil - der Plenarsaal des deutschen Bundestages.

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Der Frauenanteil auf den Wahllisten der Bundestagswahl 2017 beträgt im Durchschnitt 30 Prozent.
  • Besonders wenige Kandidatinnen hat die CSU, besonders viele die Grünen.
  • Dabei sind 2017 fast 3 Millionen mehr Frauen als Männer wahlberechtigt.
Von Stefan Braun, Berlin

Das kleine gallische Dorf findet sich in diesem Sommer nicht dort, wo Asterix zu Hause ist. Es steht mitten in Bayern. Und es gehörte bislang keineswegs zu den großen Widerstandsnestern, ob gegen römische Legionäre oder andere Herrscher. Doch Bad Kissingen, die kleine, stolze, einst mit Kurbetrieb ziemlich reich gewordene Stadt, weist bei der Bundestagswahl am 24. September eine Besonderheit auf, die sie vom Rest der Republik deutlich unterscheidet: Sie hat mit weitem Abstand die größte Zahl weiblicher Kandidaten. Sieben von zehn der Direktkandidaten sind dort Frauen - ein großer Anteil, gemessen am Rest in Deutschland.

So wenige CSU-Frauen waren zuletzt vor 15 Jahren nominiert

Und es ist eine Botschaft, die das Wort Widerstand durchaus rechtfertigt, insbesondere dann, wenn man einen Blick auf die sonst so stolze CSU wirft. Die nämlich unterstützt nicht den Trend in der alten Kurstadt; sie widerspricht ihm, und zwar dramatisch. Die Partei hat in diesem Jahr lediglich zwanzig Frauen in ihren Reihen, die sich in ihrem Namen um einen Platz im Deutschen Bundestag bewerben. Damit liegt die CSU bei einem Anteil von 22 Prozent und ist nach einem Jahrzehnt mit höheren Quoten wieder dort, wo sie vor 15 Jahren war.

Für Frauen ist das schon eine Botschaft. Dieter Sarreither, der Bundeswahlleiter, würde derlei freilich nie bewerten. Neutralität ist wichtig für den obersten deutschen Wahlwächter. Also bleibt er nüchtern, als er am Dienstag alle Daten, Zahlen und Details zur bevorstehenden Bundestagswahl vorstellt - und berichtet trocken, dass die CSU bei den Frauen halt ganz am Ende rangiert; dass bei den Grünen dagegen fast genauso viele Frauen wie Männer antreten; dass es bei der SPD vier von zehn sind - und dass der Frauenanteil bezogen auf alle 4828 Kandidaten bundesweit bei knapp 30 Prozent liegt.

Am 24. September sind 31, 7 Millionen Frauen und 28,8 Millionen Männer wahlberechtigt.

42 Parteien und 111 parteilose Kandidaten treten an

Zu den nackten Zahlen gehören weitere Details, darunter die Tatsache, dass etwa 650 000 Ehrenamtliche mithelfen werden, die Wahl durchzuführen; dass sie dafür in rund 73 000 Urnenwahlbezirken die Stimmen auszählen werden; dass 42 Parteien sowie 111 parteilose Kandidaten am Start sind; und dass auch bei dieser Wahl die Zahl der Briefwähler weiter steigen dürfte. 2013 sind es schon mehr als 24 Prozent gewesen, in Bayern sogar gut 35 Prozent. Ob dieser Trend den Charakter der Wahl auf Dauer verändern könnte, wollte Sarreither nicht bewerten. Zurückhaltend äußerte er sich auch zu der Tatsache, dass sich bis Mitte August fast doppelt so viele Auslandsdeutsche für die Wahl angemeldet haben als vor vier Jahren. Das könne zwar allgemein auf ein größeres Interesse hindeuten; Rückschlüsse auf die tatsächliche Wahlbeteiligung aber seien noch nicht möglich.

Nur eines scheint deshalb sicher zu sein: dass am Ende wieder nur die bekannten Parteien die Fünf-Prozent-Hürde überspringen und ins Parlament einziehen werden. Die derzeitigen Exoten dürften aller Voraussicht nach Exoten bleiben, zumal manche schräge Namen tragen. Sei es die "bergpartei" aus Berlin, die "Magdeburger Gartenpartei" oder auch die "Partei der Vernunft" - sie alle werden vermutlich ebenso wenig Chancen auf einen Einzug in den Bundestag haben wie die "V-Partei", deren vollständiger Name lautet: Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer. Letzterer kann man immerhin bescheinigen, dass sie sich eines Trends annimmt. Die Zahl der Veganer nämlich soll rasant steigen.

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