Bundestagswahl Heutiger AfD-Abgeordneter hält den Holocaust für einen "Mythos"

Siegbert Droese, Sachsen

Der Leipziger AfD-Chef zählt zu den radikal rechten Hardlinern der Partei. Wie Björn Höcke gehört er zur Patriotischen Plattform und befürwortet, gemeinsame Sache mit Pegida zu machen. 2016 sorgte er für Schlagzeilen, weil ein Auto seines Fuhrparks das Leipziger Kennzeichen "AH 1818" trug: AH sind die Inititialen von Adolf Hitler, 18 gilt in Neonazi-Kreisen als Chiffre für "Adolf Hitler" - die Zahlen stehen für die Position der Buchstaben A und H im Alphabet.

Bei Facebook zeigt Droese, dass er auch die rechtsextreme Identitäre Bewegung und die vor 1945 aktuellen Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot mag.

Früher in der CDU, nun für die AfD im Bundestag: Wilhelm von Gottberg im Jahre 2002

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Wilhelm von Gottberg, Niedersachsen

Der ehemalige Polizist war früher in der CDU. Der heute 77-Jährige stand der Landsmannschaft Ostpreußen vor und fungierte jahrelang als Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen. Gottberg hält die Massenvernichtung der europäischen Juden durch Nazi-Deutschland für einen Mythos.

In einem Essay zitierte Gottberg 2001 entsprechende Äußerungen eines italienischen Neofaschisten, der darüber klagte, dass die "jüdische 'Wahrheit' über den Holocaust unter gesetzlichen Schutz gestellt" sei. Und weiter: "Der Holocaust muss ein Mythos bleiben, ein Dogma, das jeder freien Geschichtsforschung entzogen bleibt." Gottberg selbst schrieb unter die Zitate: "Wir haben dem nichts hinzuzufügen."

Beatrix von Storch, Berlin

Die Berliner Spitzenkandidatin und stellvertretende Parteivorsitzende wohnt mit ihrem Mann in einem Berliner Viertel, in dem nur wenige ihr Kreuz bei der AfD gemacht haben dürften: in Prenzlauer Berg. Als bisherige Europa-Parlamentarierin stand sie bislang weniger im Licht der Öffentlichkeit als ihre Parteivorstandskollegen. Doch oft brauchte es wenige Worte und Storch sorgte mit einer ihrer berüchtigten Äußerungen in sozialen Netzwerken für einen Aufschrei. Denn Storch, eine gebürtige Herzogin von Oldenburg, ist eine Erzkonservative, die eine multikulturelle Gesellschaft zutiefst ablehnt.

Mal riet sie nach einem misslungenen Auftritt der deutschen Fußball-Elf lieber eine deutsche Nationalmannschaft auf den Platz zu schicken - statt eines Teams, in dem auch Nachkommen von Migranten kicken, wie sie damit andeutete. Mal unterstützte sie Frauke Petry nach Äußerungen zu einem Schießbefehl an deutschen Grenzen. Legte sogar noch nach, indem sie anklingen ließ, Schüsse auf Frauen und Kinder könnten legitim sein. Storch kämpft offen für eine nationale Abschottungspolitik um jeden Preis. Die Juristin will das Amt der Integrationsbeauftragen der Bundesregierung abschaffen und hat sich gegen die Euro-Rettung und den Euro-Rettungsschirm starkgemacht. Auch auf anderen Themenfeldern macht Storch aus ihren Überzeugungen keinen Hehl. Im Bundestag möchte sie einen "Untersuchungsausschuss Merkel" einsetzen.

Die "Störchin", so wird sie im Bundesvorstand der Partei genannt, versammelt feine, teils intellektuelle Kreise hinter sich. Sie verkehrte in der Hayek-Gesellschaft, deren Mitgliedschaft sie derzeit ruhen lässt, mit führenden deutschen Ökonomen, auch ihre Adelskontakte weiß sie zu nutzen. Früher war sie FDP-Mitglied. Schon vor zehn Jahren gründete sie mit der Zivilen Koalition einen Verein, der sich für mehr Bürgerrechte einsetzte und dessen Vorbild die US-amerikanische Tea-Party-Bewegung ist. So schuf sie, gemeinsam mit ihrem heutigen Mann, eines der Sammelbecken, aus denen die AfD entstand. Fast hätte Storch im Bundestagswahlkampf zum Spitzenteam gehört. Erst in letzter Sekunde soll aus einem Dreier-Team das Duo Alice Weidel und Alexander Gauland geworden sein. Mit versteinerter Miene saß Storch danach auf dem Podium. Es wäre verwunderlich, wenn sie innerhalb der AfD-Fraktion keinen Führungsanspruch erheben würde.

Warum die AfD so gut abgeschnitten hat

Das starke Ergebnis der Rechtspopulisten bei der Bundestagswahl ist keine Überraschung. Fünf Faktoren, die zum Aufstieg der Partei maßgeblich beigetragen haben. Von Benedikt Peters mehr ...

Petr Bystron, Bayern

Der bayerische AfD-Chef hat kürzlich seine Statuszeile im Messengerdienst Whatsapp geändert. Erst war dort zu lesen, er sei "auf der Überholspur", inzwischen schreibt Bystron: "Politisch verfolgt. Schon wieder!" Als Teenager ist Bystron, der im mährischen Olmütz geboren wurde, aus der damaligen Tschechoslowakei nach Deutschland gekommen, seine Eltern beantragten politisches Asyl.

Bystron hatte mal eine Werbeagentur, die ist aber längst verkauft. Dann arbeitete er als Berater. Nach eigener Aussage macht er das immer noch - allerdings angeblich nur im Ausland, weil sein Name zu stark mit der AfD verknüpft sei. Der bayerische Verfassungsschutz beobachtete Bystron, weil er die rechtsextreme Identitäre Bewegung als Vorfeldorganisation der AfD bezeichnete hatte. Seitdem sieht er sich selbst als Dissidenten.

Er klagte gegen die Beobachtung, seine Wohnung wurde durchsucht. Vor Gericht verbuchte er Teilerfolge. Im Verfassungsschutzbericht darf Bystron derzeit nicht namentlich aufgeführt werden, auch die Durchsuchung, bei der Ermittler viel Privates, aber nichts politisch Verwerfliches fanden, bezeichnete ein Gericht als unrechtmäßig. Bystron, der in seinem eigenen Landesverband nicht unangefochten ist und nur Listenplatz vier besetzte, gilt in der Münchner Wirtschaftswelt als gut vernetzt.

Jens Maier, bisher Richter am Landgericht Dresden, nun im Bundestag.

(Foto: dpa)

Jens Maier, Sachsen

Der gebürtige Bremer war bis 1986 SPD-Mitglied, nach der Wende zog er nach Sachsen. Bundesweit bekannt wurde Maier, als er in seiner Tätigkeit als Richter am Dresdner Landgericht ein umstrittenes Urteil fällte. In der Auseinandersetzung zwischen der NPD und einem Wissenschaftler gab er der rechtsextremen Partei recht - eine Entscheidung, die ein zweiter Richter revidierte.

Kritiker warfen Maier vor, sein Urteil sei politisch motiviert gewesen. Denn der Richter gehört dem rechtsradikalen Flügel der Alternative für Deutschland an. Im Vorprogramm von Björn Höckes "Dresdner Rede" sagte Meier mit Blick auf die geschichtliche Aufarbeitung des Holocausts: "Ich erkläre hiermit diesen Schuldkult für endgültig beendet." Weiter versprach er, die AfD werde kämpfen gegen "die Herstellung von Mischvölkern, um die nationalen Identitäten auszulöschen". Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittelte daraufhin wegen Volksverhetzung. Das Verfahren wurde eingestellt.

Bei einer Wahlkampfveranstaltung zeigte Maier Sympathien für den norwegischen Rechtsextremen und Massenmörder Anders Behring Breivik. Die Bundes- und sächsische Landessprecherin Frauke Petry hat ein Parteiausschlussverfahren gegen Maier angestrengt und nahm damit eine heftige Auseinandersetzung mit dem sächsischen Landesvorstand in Kauf.

Peter Boehringer, Bayern

Der 48-Jährige kommt über die Landesliste Bayern in den Bundestag. Der Ökonom hängt Verschwörungstheorien an, nach denen ein geheimes Netzwerk daran arbeitet, die Weltherrschaft zu übernehmen: Stichwort New World Order (NWO).

Vor allem über Facebook breitet Boehringer aus, wer seiner Meinung nach in Deutschland von der NWO-Oberen gesteuert wird: Unter anderem die evangelische Kirche, die Feuerwehr-Gewerkschaft, die Bundesregierung sowieso und die "fast gleichgeschalteten" Medien - und viele andere Gruppen und Institutionen, die nicht auf AfD-Linie liegen. Boehringer mag weder Euro noch Bundesbank, als deren "Fußtruppen" er die "rotgrüne Antifa" bezeichnet.