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Bundestagswahl:Die Existenz der FDP steht auf dem Spiel

FDP-Bundesparteitag in Berlin

Wenn die FDP es in diesem September nicht in den Bundestag schafft, wird sie politisch kaum überleben. Parteichef Christian Lindner hat das früh verstanden.

(Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Heute trifft sich die Partei zum Dreikönigstreffen. Wenn sie es im September nicht zurück in den Bundestag schafft, ist sie am Ende. Parteichef Lindner hat das verstanden - und trotzdem Fehler gemacht.

Spannend wird das Jahr - für die Politik steht das schon am ersten Tag fest. Das gilt für die Kanzlerin, die trotz Flüchtlingskrise noch einmal gewinnen möchte. Es gilt für die SPD, die so gerne aus der 20-Prozent-Baisse herauskäme. Es gilt auch für die AfD, die sich bundesweit etablieren will. Und es gilt für Linke und Grüne, die um ihre Plätze kämpfen müssen, aber insgeheim längst vom großen Regieren träumen. Doch für keine Partei wird das Jahr so existenziell sein wie für die Freien Demokraten.

Auf dem heute beginnenden Dreikönigstreffen stimmt sich die FDP auf 2017 ein. Wenn es die Partei in diesem September nicht in den Bundestag schafft, wird sie politisch kaum überleben.

Parteichef Christian Lindner hat das früh verstanden. Ihm war vom ersten Tag an klar, dass er nur diesen einen Versuch hat. Deshalb erklärte er unmittelbar nach dem Debakel 2013, bei Erfolglosigkeit werde er sich zurückziehen. Lindner kämpft dieses Jahr auch ganz persönlich um eine politische Zukunft. Topp oder weg - etwas anderes ist für die FDP kaum mehr denkbar.

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Sich so festzulegen, war vernünftig und klug. Vor allem aber war es die unverzichtbare Voraussetzung dafür, die Partei in den schweren letzten dreieinhalb Jahren komplett hinter sich zu einen. Alles ist auf den Wahltag im September ausgerichtet. Alle wissen das, alle bündeln ihre Kraft und ihre Loyalität auf dieses eine Datum. Anders wäre die Partei zum Start ins Wahljahr 2017 auch nicht in die Lage gekommen, tatsächlich auf eine Rückkehr hoffen zu dürfen.

Dabei hat Lindner zunächst vieles richtig gemacht, als er 2013 eine weitgehend zerstörte Partei übernahm. Er hat sie rausgezogen aus dem Image, ein kleiner Wurmfortsatz der Union zu sein. Er näherte sich einigen Altliberalen wie Klaus Kinkel und Gerhart Baum an; gab der FDP ein stärker sozialliberales Image, um ihr die Kälte zu nehmen; legte den Schwerpunkt auf echte Liberalität und Weltoffenheit - und nahm ihr das Bild einer von alten Männern dominierten Honoratiorenpartei, indem er sich zuallererst selbst die Krawatte auszog. Das alles war entscheidend, um den Bruch mit der Vergangenheit der Brüderles und Röslers augenfällig zu machen.

Parteichef Lindner hat Erfolge. Aber was will er am Ende?

Eines aber hat er bei all diesen Design-Arbeiten an einer neuen FDP (noch?) nicht geschafft. Er ist als alles dominierender Parteichef persönlich bislang nicht richtig kenntlich geworden. Was genau will er am Ende? Welche Wirtschaftspolitik möchte er durchsetzen? Wie ökologisch soll sie sein? Wie reagiert er in Ausnahmesituationen? Und: Hat er den richtigen, Menschen zugewandten Reflex, wenn er im Krisenfall nachts um drei geweckt wird? Seine kritischen, manchmal garstigen Töne in der Flüchtlings- und Europapolitik lassen da noch viel, zu viel Spielraum, um ihn und seine Haltungen wirklich identifizieren zu können.

Das wiegt schwer angesichts der Tatsache, dass er die FDP seit seiner Wahl zum Chef komplett übernommen und geführt hat. Schon unter Guido Westerwelle hieß es, die FDP sei eine Ein-Mann-Show geworden. Unter Christian Lindner ist das noch viel ausgeprägter. Doch was passiert, wenn die FDP tatsächlich Erfolg hat? Wer würde mit Lindner auf die Bühne zurückkehren? Wer kann dann für innerparteiliche Kontrolle sorgen? Hier klafft noch eine dramatische Lücke.

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