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Bundestagswahl 2017:Merkel tritt wieder an

Sie habe "unendlich viel darüber nachgedacht", sagt die CDU-Chefin. Wegen der unsicheren Zeiten wolle sie aber 2017 noch einmal für volle vier Jahre als Kanzlerin kandidieren.

Angela Merkel möchte sich 2017 erneut zur Bundeskanzlerin wählen lassen. Die CDU-Vorsitzende sagte am Sonntagabend, sie wolle für ihre Partei als Kanzlerkandidatin in den Bundestagswahlkampf ziehen. Bei einer Wiederwahl werde sie - wenn es die Gesundheit zulasse - die gesamte Legislaturperiode, also bis 2021, im Amt bleiben. Außerdem wolle sie sich auf dem CDU-Parteitag erneut zur Vorsitzenden wählen lassen. Für sie sei immer klar gewesen, dass zur Bereitschaft, den CDU-Vorsitz zu behalten, auch die Bereitschaft gehöre, 2017 "noch einmal für das Amt der Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland zu kandidieren". Merkel ist seit dem Jahr 2000 CDU-Vorsitzende, die Bundesregierung führt sie seit 2005.

Merkel räumte bei der Pressekonferenz in der CDU-Zentrale ein, dass sie "unendlich viel darüber nachgedacht" habe, ob sie noch einmal antreten solle. Die Entscheidung für eine vierte Kanzlerkandidatur sei nach elf Amtsjahren "alles andere als trivial" gewesen - "weder für das Land, noch für die Partei noch - und ich sage das ganz bewusst in dieser Reihenfolge - für mich persönlich". Die Zeiten seien unsicher. "Sehr viele" hätten ihr gesagt, dass die Menschen in solchen Zeiten "wenig Verständnis hätten, wenn ich jetzt nicht noch einmal meine ganze Erfahrung und das, was mir an Gaben und Talenten gegeben ist, in die Waagschale werfen würde, um meinen Dienst für Deutschland zu tun".

Im Präsidium und im Vorstand der CDU wurde die Entscheidung Merkels mit Beifall aufgenommen. Die Gremien waren am Sonntag zu einer Klausurtagung zusammen gekommen. Eine Absage Merkels hätte die CDU in Turbulenzen gestürzt. Die Parteichefin wies zwar ausdrücklich darauf hin, dass in der Politik niemand alternativlos sei - sie "glaube, dass immer jemand da ist, der Stäbe übernehmen kann". Es wäre der CDU trotzdem schwergefallen, Merkel adäquat zu ersetzen.

Am Willen der 62-Jährigen, noch einmal anzutreten, hatte es im Sommer Zweifel gegeben. Spätestens seit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten galt es jedoch als sicher, dass die Kanzlerin angesichts des Aufstiegs der Rechtspopulisten in Europa und der Welt noch einmal kandidieren wird. Zuletzt hatte sie sogar Amerikas scheidender Präsident Barack Obama bei seinem Berlin-Besuch indirekt aufgefordert, weiter zu machen.

Wegen ihrer Flüchtlingspolitik und des Dauerstreits mit der CSU sind die Beliebtheitswerte Merkels im vergangenen Jahr zwar deutlich zurück gegangen, sie sind aber im Vergleich zu früheren Kanzlern immer noch gut. CSU-Chef Horst Seehofer begrüßte Merkels Ankündigung. Jetzt sei "klar, wer für die Union kandidieren wird", sagte Seehofer. Am CDU-Parteitag Anfang Dezember in Essen wird Seehofer im Einvernehmen mit Merkel trotzdem nicht teilnehmen. Die Kanzlerin war auch nicht zum CSU-Parteitag gekommen. Die beiden Schwesterparteien wollen erst versuchen, die strittigen Sachfragen zu klären. Anfang des neuen Jahres soll dann bei einer gemeinsamen Klausur der beiden Parteispitzen in Bayern auch die Einigkeit in Personalfragen wie der Kanzlerkandidatur verkündet werden.