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Bundesstaatsanwaltschaft ermittelt:Deutscher Taliban-Verdächtiger angeklagt

Er konvertierte zum Islam, lernte Bomben bauen und griff eine US-Militärbasis an - so sieht es zumindest die Staatsanwaltschaft. Ein deutscher mutmaßlicher Talibankämpfer muss sich jetzt in Berlin vor Gericht verantworten. Auch weil er versuchte, in Deutschland für seine terroristische Vereinigung zu werben.

Die Bundesanwaltschaft hat einen 26 Jahre alten Deutschen vor dem Kammergericht Berlin wegen der Mitgliedschaft in der Terrororganisation "Deutsche Taliban Mujahideen" (DTM) angeklagt.

Die Anklage lautet auf Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung in Tateinheit mit der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Die DTM verfolgt der Bundesanwaltschaft zufolge das Ziel, in Afghanistan eine religiös-fundamentalistische Gesellschaftsordnung zu errichten. Die Vereinigung verübte demnach unter anderem Anschläge auf Mitglieder der internationalen Nato-Truppe Isaf. Wegen der Beteiligung der Bundeswehr am Militäreinsatz der Nato ist auch Deutschland im Visier der Terrororganisation.

Die Anwaltschaft sieht es als erwiesen an, dass der aus Berlin stammende Thomas U. im Herbst 2009 ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet reiste, um dort eine terroristische Ausbildung zu absolvieren und den Umgang mit Schusswaffen und Sprengstoff zu erlernen.

Ende Dezember 2009 soll er dann unter dem Kampfnamen Hamsa al-Majaari mit anderen Mitgliedern der Terrorgruppe eine Militärbasis in Afghanistan angegriffen haben, die von amerikanischen und afghanischen Streitkräften genutzt wird.

Werbung für Dschihad

Der zum Islam konvertierte Deutsche soll zudem im Internet für den militanten Dschihad geworben haben - unter anderem, indem Thomas U. in Deutschland lebende Personen per E-Mail zur politischen und finanziellen Unterstützung der Deutschen Taliban Mujahideen aufforderte. Zudem sei der 26-Jährige laut der Bundesanwaltschaft in Propagandavideos der terroristischen Vereinigung aufgetreten.

Thomas U. war im September 2010 aufgrund eines deutschen Haftbefehls in der türkischen Hauptstadt Istanbul verhaftet worden, angeblich auf dem Rückweg nach Deutschland. Die Auslieferung an die hiesigen Behörden war am 22. Mai 2012 erfolgt. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Das Berliner Kammergericht muss nun über die Zulassung der Anklage und die Eröffnung des Verfahrens entscheiden.

© Süddeutsche.de/dapd/dpa/afp/fbo/mkoh
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