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Bundespräsidentenwahl:Linke nominiert Klarsfeld als Präsidentschaftskandidatin

Eine Gegnerin für Gauck: Beate Klarsfeld soll für die Linke bei der Bundespräsidentenwahl antreten. Der Parteivorstand nominierte die 73-Jährige einstimmig, die Kandidatin zeigt sich begeistert. Die Abgeordnete Jochimsen verzichtete auf eine eigene Kandidatur und ersparte der Partei damit eine Kampfabstimmung.

Die Linke schickt die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten ins Rennen. Der Parteivorstand hat die deutsch-französische Journalistin bei seiner Sitzung am Montag einstimmig als Kandidatin nominiert, wie Parteichefin Gesine Lötzsch sagte. Die Wahl zum Staatsoberhaupt findet am 18. März statt.

Linke-Spitze schlägt Beate Klarsfeld vor

Die Linke hat sich entschieden: Beate Klarsfeld soll als Gegenkandidatin zu Joachim Gauck um das Amt des Bundespräsidenten antreten.

(Foto: dpa)

Ihre Nominierung hat Klarsfeld mit Begeisterung aufgenommen. "Mir wurde gerade berichtet, dass die Nominierung einstimmig war; das ist wunderbar, das war mir sehr wichtig", sagte die 73-Jährige am Montag in Paris der Nachrichtenagentur dpa. Sie wolle sich als Kandidatin weiter gegen Nazis und gegen Antisemitismus einsetzen. Die Nominierung sei "Anerkennung und Krönung der Arbeit, die ich seit Jahren leiste", sagte sie der Nachrichtenagentur AFP. Die 73-Jährige nannte es eine "Ehre", dass ihre Nominierung durch die Linke einstimmig erfolgt sei.

Die Bundestagsabgeordnete der Linken, Luc Jochimsen, hat kurz vor der Sitzung angekündigt, auf eine Kandidatur zu verzichten. Sie war die einzige weitere potentielle Kandidatin, nachdem der Kölner Politik-Professor Christoph Butterwegge bereits am Sonntagabend abgesagt hatte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Linke von der Suche nach einem Konsens-Kandidaten ausgeschlossen. Daraufhin hatte sich die Partei in der vergangenen Woche entschieden, einen eigenen Kandidaten ins Rennen zu schicken. In einer Spitzenrunde am vergangenen Donnerstag hatte sie sich aber noch nicht auf einen Vorschlag einigen können.

Die 73-jährige Klarsfeld war von Parteichefin Gesine Lötzsch ins Gespräch gebracht worden. Berühmt wurde die in Paris lebende Publizistin durch eine Ohrfeige. 1968 schlug sie Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger auf einem CDU-Parteitag wegen seiner NSDAP-Vergangenheit ins Gesicht und beschimpfte ihn als Nazi. Später bemühte sie sich zusammen mit ihrem Mann Serge Klarsfeld um die Auslieferung von Nazi-Verbrechern wie den ehemaligen Gestapo-Chef von Lyon, Klaus Barbie.

Verzicht auf Kampfabstimmung

Der Kölner Professor Butterwegge hatte kurz vor der entscheidenden Sitzung mit der Begründung abgesagt, er wolle nicht gegen zwei so honorige Persönlichkeiten - Klarsfeld und Jochimsen - in eine Kampfabstimmung gehen.

Die frühere Fernsehjournalistin Jochimsen war bereits 2010 Kandidatin der Linken bei der Bundespräsidentenwahl. Die 75-Jährige war bei der jetzigen Kandidatensuche überraschend erneut in die Endauswahl gekommen. Sie hatte sich zuvor für einen Boykott der Bundesversammlung ausgesprochen, weil die Linke aus der Suche nach einem Konsenskandidaten ausgeschlossen wurde.

Für einen Boykott plädierte auch der thüringische Linksfraktionschef Bodo Ramelow in der Online-Ausgabe der Mitteldeutschen Zeitung. "Wenn ich zu entscheiden hätte, dann würde ich sagen, wir nehmen an der Abstimmung nicht teil und versammeln uns stattdessen vor dem Reichstag."

Damit würde die Linke zeigen, "dass wir die 19 Prozent der Bevölkerung, die sich laut Umfragen durch die Nominierung Joachim Gaucks missachtet fühlen, ernst nehmen". Denn Gauck sei ein "Pastor des kalten Herzens", was sich unter anderem in seinen sozialpolitischen Auffassungen zeige.