Wulffs Erklärung in der Ticker-Nachlese "Das war nicht geradlinig, und das tut mir leid"

Christian Wulff entschuldigt sich in einer persönlichen Erklärung für sein Verhalten in der Kreditaffäre - und kündigt an, sein Amt gewissenhaft fortführen zu wollen. Kurz zuvor hatte er seinen langjährigen Sprecher Olaf Glaeseker entlassen. Einem Medienbericht zufolge soll Wulff bei der BW-Bank ungewöhnlich günstige Konditionen bekommen haben, als er das umstrittene Privatdarlehen ablöste.

Wulffs Erklärung und die Reaktionen auf seine Rede. Von Thorsten Denkler, Michael König und Lilith Volkert

Bundespräsident Christian Wulff steht seit Tagen in der Kritik. Die Opposition fordert Aufklärung über einen Privatkredit, den Wulff als niedersächsischer Ministerpräsident bei der Gattin eines befreundeten Unternehmers aufgenommen hatte. Im Parlament hatte er damals angegeben, keine "geschäftlichen Beziehungen" zu dem Unternehmer zu haben. Wulffs Kritiker sehen darin eine Täuschung.

Der Bundespräsident hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen, vor allem über seinen Sprecher Olaf Glaeseker, der ihn seit Jahren begleitet hat. Nun hat Wulff seinen Einflüsterer ohne Angabe von Gründen entlassen - und sich endlich öffentlich geäußert. Im Schloss Bellevue trat er vor die Presse und entschuldigte sich für sein Verhalten in der Affäre.

Die Reaktionen auf Wulffs Erklärungen und die Ereignisse des Tages in der Ticker-Nachlese.

17:36 Uhr Dobrindt will nicht mehr debattieren

Die CSU fordert ein Ende der Debatte um die Kreditaffäre des Bundespräsidenten. "Christian Wulff hat sich umfassend erklärt und den Sachverhalt dargelegt. Diese Erklärung war gut und richtig", sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt. Er habe kein Verständnis dafür, wenn die Opposition weiter versuche, "eine geklärte Debatte" aus parteitaktischen Gründen künstlich am Laufen zu halten.

17:15 Uhr "Mehr zu erwarten" vom höchstem Amt im Staate

Wulffs Worte stoßen in seiner Heimat Niedersachsen auf Ablehnung: "Diese Stellungnahme hat in der Sache nichts Neues gebracht", sagte der Vorsitzende der SPD-Fraktion im niedersächsischen Landtag, Stefan Schostok. Wulff habe keine Erklärung zu den weiter im Raum stehenden Vorwürfen abgegeben, sondern nur versucht, "durch eine pauschale Entschuldigung für seine Verfehlungen die Atmosphäre zu bereinigen". Von einem Inhaber des höchsten Amtes im Staat sei "mehr zu erwarten".

"Das Verhalten von Herrn Wulff empfinde ich nicht als ausreichend souverän, der Aufklärungsbedarf bleibt", meinte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel. Die Entlassung des Sprechers bereinige die Situation nicht. In der jetzigen Situation gehe es nicht in erster Linie um Defizite in der Kommunikation, sondern um das Problem der politischen Lauterkeit.

17:05 Uhr Nahles kritisiert das lange Warten Wulffs

Für SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles hat der Bundespräsident mit seinem Statement zur Kreditaffäre zu lange gewartet. "Die persönliche Erklärung von Bundespräsident Christian Wulff war längst überfällig. Nun bleibt die weitere politische Aufarbeitung, zum Beispiel im niedersächsischen Landtag, abzuwarten."

16:51 Uhr Künast sieht das "System Hannover" noch immer am Werk

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast übt weiter scharfe Kritik an Wulff: Der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident habe nur eingeräumt, was bereits bekannt sei: "Es bleibt das fade Gefühl des Ungewissen und eines Systems Hannover", sagte Künast. Nur eine umfassende Erklärung entspreche der Würde des Amtes. "Diesem Maßstab ist er nicht gerecht geworden", sagte die Grünen-Politikerin.

16:44 Uhr Wulffs Erklärung in voller Länge

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16:41 Uhr Beifall von der FDP

FDP-Chef Philipp Rösler zeigt sich von der Entschuldigungs-Rede erleichtert: "Es ist gut, dass Christian Wulff noch vor Weihnachten dem Bedürfnis nachgekommen ist, selbst für ein offenes Wort zu sorgen." Für seine persönliche Erklärung verdiene Wulff Respekt. Sie enthalte "wesentliche Klarstellungen zu den erhobenen Vorwürfen", sagte der Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister. Die FDP werde die Arbeit des Bundespräsidenten weiter unterstützen und ihm dabei ihr Vertrauen entgegenbringen.

16:20 Uhr Merkel hat "nichts hinzuzufügen" - SPD fordert Aufklärung

Auch die Bundeskanzlerin reagiert auf die Erklärung des Präsidenten. Ihr Regierungssprecher Steffen Seibert sagt, die Worte Wulffs "stehen für sich". Angela Merkel habe "nichts hinzuzufügen". Damit bleibt die Kanzlerin bei ihrer Linie. Seit Beginn der Affäre hatte sie Wulff zweimal das Vertrauen ausgesprochen.

Hubertus Heil, Vize-Fraktionschef der SPD im Bundestag, zeigt sich weniger zufrieden: Zwar sei es gut, dass Wulff sein Schweigen gebrochen habe. Aber jetzt müssten alle rechtlichen Zweifel schnellstmöglich ausgeräumt werden. "Nur wenn das gelingt, kann der Bundespräsident sein Amt so unbefangen ausüben, wie es notwendig ist", sagt Heil.

16:15 Uhr Erste Reaktionen auf die Wulff-Erklärung

Bei Bundestagsabgeordneten trifft die Erklärung erwartungsgemäß auf ein geteiltes Echo. "Tja, mal schauen, wie lange diese Erklärung reicht", schreibt der SPD-Politiker Johannes Kahrs bei Twitter.

Die Landesvorsitzende der CDU in Rheinland-Pfalz, Julia Klöckner, hält dagegen: "Der Bundespräsident hat die richtigen Worte gefunden. Gut so."

16:03 Uhr "Gewissenhaft und mit ganzer Kraft"

Wulffs Erklärung endet mit einem Blick in die Zukunft: "Ich weiß um meine Verantwortung", sagt der Bundespräsident. Er werde sein Amt "gewissenhaft und mit ganzer Kraft" weiterhin ausüben. "Wir stehen vor großen Aufgaben und ich will und werde meinen Beitrag dazu leisten."

Bei Twitter wird der Auftritt des Bundespräsidenten ausführlich diskutiert. Beiträge zum Thema sind unter dem Stichwort #Wulff zu finden.

15:47 Uhr Salamitaktik? Von wegen!

Christian Wulff nach seiner Erklärung in Schloss Bellevue.

Christian Wulff nach seiner Erklärung in Schloss Bellevue.

(Foto: dpa)

Wulffs Erkenntnis der vergangenen zehn Tage: "Mir ist klargeworden, dass nicht alles, was juristisch in Ordnung ist, auch richtig ist." Das - so werden seine Kritiker einwenden - hätte dem Bundespräsidenten schon früher auffallen können.

Von wegen Salamitaktik: Wulff erklärt, wie sehr er aus seiner Sicht zur Aufklärung beigetragen habe. 250 Einzelanfragen habe er beantwortet. Und zwar nach "bestem Wissen und Gewissen". Er habe tiefe Einblicke in seine privaten Angelegenheiten gewährt. Das sei nicht immer leicht gewesen. Aber die Presse- und Informationsfreiheit sei ein hohes Gut, dass es zu schützen gelte.

15:44 Uhr "Habe das Bedürfnis, mich persönlich zu äußern"

Im schwarzen Anzug tritt Wulff vor die Presse. Er legt sofort los: "Sie alle wissen, dass in den vergangenen zehn Tagen über mein Privatleben breit berichtet worden ist. Ich habe das Bedürfnis, mich auch persönlich zu den Themen zu äußern." Dann verteidigt er sein Verhalten: Er habe zu keinem Zeitpunkt anderen Vorteile gewährt. Die Freundschaften hätten auch nicht seine Amtsführung beeinträchtigt.

15:42 Uhr "Es tut mir leid"

Zehn Minuten dauert der Aufritt des Bundespräsidenten. Die wichtigste Nachricht: Wulff tritt nicht zurück. Er bittet die Bürgerinnen und Bürger auch zukünftig um ihr Vertrauen. Er entschuldigt sich für den umstrittenen Privatkredit, der für die Öffentlichkeit "irritierend" gewirkt habe: "Es tut mir leid."

15:34 Uhr Einflüsterer im Profil

Wer ist Olaf Glaeseker? Der Sprecher des Bundespräsidenten im SZ-Porträt von Jens Schneider. Die Nachrichtenagentur dpa berichtet unter Berufung auf Quellen im Präsidialamt, Glaeseker habe selbst um seine Entlassung gebeten.

15:19 Uhr Erinnerungen an den Köhler-Rücktritt

Im Großen Saal des Schloss Bellevue ist schon alles vorbereitet. Zwei Reihen Stühle für die schreibende Presse. Dahinter die Kamerateams. Die Wetten stehen hier 50:50, dass Wulff im Amt bleibt. Es ist immerhin ein anderer Saal, als bei dem Rücktritt von Horst Köhler am 31. Mai 2010. Der trat im Langhanssaal zurück, ein Raum weiter.

15:11 Uhr Neue Vorwürfe: Wulff soll Schnäppchenkredit bekommen haben

Journalisten und Kamerateams stehen Schlange vor dem Schloss Bellevue. Es wird wild spekuliert. Ist Angela Merkel schon auf der Suche nach einem Nachfolger?

Der Spiegel berichtet von neuen Vorwürfen gegen Wulff. Demzufolge bekam er bei der BW-Bank Sonderkonditionen, als er den Privatkredit der Unternehmergattin Geerkens ablöste. Die Zinsen seien halb so hoch wie bei normalen Kunden gewesen.

14:59 Uhr Wulff will Erklärung abgeben

Um 15:30 Uhr werde Wulff im Schloss Bellevue vor die Presse treten, teilt das Präsidialamt mit. Die Ankündigung einer Erklärung des Bundespräsidenten ohne Thema als Pressemitteilung, das hat es im Frühjahr 2010 schon einmal gegeben. Damals ist Horst Köhler ohne jede Vorwarnung zurückgetreten. Wird Christian Wulff es ihm nachtun?

Die Nachrichtenagentur Reuters will aus Regierungskreisen erfahren haben, dass Wulff nicht zurücktritt. Vilemehr werde er die von vielen geforderte Erklärung zu dem umstrittenen Privatkredit und seinen Verbindungen zu Unternehmern abgeben.

14:40 Uhr Wulff entlässt Sprecher Glaeseker

Olaf Glaeseker (rechts) ist nicht länger der Sprecher des Bundespräsidenten.

Olaf Glaeseker (rechts) ist nicht länger der Sprecher des Bundespräsidenten.

(Foto: dpa)

Die erste Eilmeldung läuft um 14:31 über den Ticker: Bundespräsident Christian Wulff habe seinen Sprecher Olaf Glaeseker entlassen. Staatssekretär Lothar Hagebölling habe Glaeseker am Donnerstag von seinen dienstlichen Aufgaben entbunden. Sie würden ab sofort kommissarisch von Petra Diroll wahrgenommen.