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Gauck-Nachfolge:Offenes Rennen würde neues Staatsoberhaupt stärken

Niemand könnte vor der Abstimmung sagen, wer das Rennen macht. Aber das wäre keine Belastung, sondern eine Stärkung des neuen Staatsoberhauptes. Und es würde den Menschen vorleben, wie eine Wahl mit Gewinnern und Verlierern aussieht. Gerade in Zeiten, in denen manche aggressiv das demokratische Fundament des Regierens und des Zusammenlebens infrage stellen und "denen da oben" nur noch Kungelei vorwerfen, würde eine offene Präsidentenwahl das Gegenteil zeigen.

Ja, das würde manchen einiges abverlangen. Zum Beispiel Angela Merkel, Sigmar Gabriel und Horst Seehofer. Die drei müssten das Risiko eingehen, das Feld als Verlierer zu verlassen. Aber manch ehrenvolle Niederlage kann mehr wert sein als das zwiespältige Suchen nach einem Kompromisskandidaten.

Ein, zwei, drei Frauen - das wäre erst recht ein Novum

Der möglichen Niederlage stünde gegenüber, dass die Parteichefs nach eigener Überzeugung einen Kandidaten auswählen und ins Rennen schicken könnten. Kein Gerangel mit anderen. Sie könnten aussuchen, wen sie am besten finden und wem sie den Sieg zutrauen. Womöglich würde sich das im Nachhinein viel stärker als Akt des Mutigen und Selbstbewussten herausstellen als der krampfhafte Versuch, durch Kompromisse eine Niederlage zu verhindern.

Risikobehaftet wäre ein solches Rennen natürlich auch für jene, die antreten. Zumal im Politikbetrieb die Meinung vorherrscht, ein Verlierer sei ein Verlierer und sonst nichts mehr. Daraus allerdings ist ein Zustand geworden, bei dem nur noch antritt, wer vorher weiß, dass er gewinnt. Menschlich mag das verständlich sein. Aber leidenschaftliche Demokratie braucht genau das Gegenteil: den Mut zur Niederlage.

Was wäre wirklich verloren, wenn Steinmeier, Lammert und Kretschmann gegeneinander anträten? Alle drei sind respektable Kandidaten; gegen alle drei darf man verlieren. Und deshalb müsste jedenfalls für alle Demokraten auch klar sein, dass die Verlierer weiter das bleiben könnten, was sie bislang sind.

Ist das naiv? Vielleicht. Aber es ist der Kern dessen, was Demokratie ausmacht. Das gilt nicht nur für die bisher genannten, allesamt männlichen Kandidaten. Ein, zwei, drei Frauen für ein wirklich offenes Rennen - das wäre erst recht ein Novum. Es wäre großartig.

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