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Gauck-Nachfolge:Bundespräsidenten-Wahl: Traut euch ins Rennen

Ehrenwerte Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten: Wolfgang Schäuble, Frank-Walter Steinmeier, Winfried Kretschmann

(Foto: AFP/dpa)

Warum lassen die Parteien nicht einfach Schäuble, Steinmeier und Kretschmann gegeneinander antreten? Und zwei, drei Frauen? Klar, das wäre risikobehaftet. Doch Demokratie braucht den Mut zur Niederlage.

Ende voriger Woche wurde eine bemerkenswerte Umfrage veröffentlicht. Wen würden Sie am liebsten als nächsten Bundespräsidenten sehen?, hatte die Frage gelautet. Erster Platz: Frank-Walter Steinmeier (SPD), zweiter Platz Wolfgang Schäuble (CDU), dritter Platz Winfried Kretschmann (Grüne), vierter Platz Norbert Lammert (CDU). Das eine Interessante daran war, wen die Deutschen gerne als Staatsoberhaupt hätten. Noch interessanter aber ist, dass alle vier jedenfalls derzeit kaum eine Chance auf das Amt haben.

Die große Koalition hat sich das Ziel gegeben, einen überparteilichen Kandidaten zu finden. Doch was ein Akt der Gemeinsamkeit sein soll, verrät nur, wie schwach sich die Kanzlerin, der Vizekanzler und der CSU-Vorsitzende inzwischen fühlen. Keiner hat den Mumm, einen respektablen Kandidaten des anderen mitzutragen. Deshalb suchen sie nach einem Kompromissbewerber, der keinem wehtut. Das ist kein Zeichen der Handlungsfähigkeit, es ist ein Zeichen der Feigheit.

Bundespräsident Union und SPD wollen gemeinsamen Kandidaten für Gauck-Nachfolge
Bundespräsident

Union und SPD wollen gemeinsamen Kandidaten für Gauck-Nachfolge

Einem Medienbericht zufolge wollen die Koalitionspartner einen gemeinsamen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten präsentieren. Eine Absage gibt es aber bereits.

Sicher, es ist nicht ungewöhnlich, dass die Spitzen der Parteien jede Niederlage zu vermeiden versuchen. Seit Jahrzehnten sind alle Präsidenten nicht wirklich in eine offene Wahl gegangen. Jedes Mal bemühten sich das rote und das schwarze Lager, schon vor dem Gang in die Bundesversammlung alles klarzumachen. Das ist nicht illegitim; es verstößt nicht gegen Gesetze. Aber es hat die Bundesversammlung geschwächt und die späteren Präsidenten nicht stärker gemacht.

Ritual der Vorabsprachen beenden

Wer von Gnaden anderer Bundespräsident wird, kämpft an gegen den Makel. Johannes Rau und Christian Wulff haben das besonders zu spüren bekommen. Rau, weil er das Amt als Belohnung dafür bekam, dass er zuvor als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen abgetreten war; und Wulff, weil er für Angela Merkel zwar die rechnerische Mehrheit repräsentierte, aber nicht so beliebt war wie Joachim Gauck, der ihn schon damals fast besiegte und ihm später geradezu zwangsläufig nachfolgte. Hätte es in der Bundesversammlung 2010 eine offene Wahl gegeben - Gauck wäre vermutlich Jahre früher ins Schloss Bellevue eingezogen.

All das spricht nicht dafür, an diesem Ritual der Vorabsprachen festzuhalten. Es spricht dafür, diese Praxis zu beenden. Zumal es diesmal kein Lager gibt, das von vornherein eine Mehrheit hätte. Richtig also wäre es, einen offenen Wettbewerb zuzulassen. Das wäre eine Aufwertung der Bundesversammlung; es würde eine Art Wahlkampf auslösen.