Bundespräsident tritt zurück Im Amt überfordert

Horst Köhler war, man kann es heute nicht anders sagen, im Amt des Bundespräsidenten überfordert. Sein Rücktritt macht dies sehr deutlich. Er hat ebenso überraschend hingeworfen, wie er 2004 überraschend aus dem Hut gezaubert wurde.

Er war eigentlich nur der dritte Mann der Kanzlerin: Angela Merkel und Horst Köhler während der Fußball-WM 2006.

(Foto: )

Es war damals ein ausschließlich parteitaktisch dominierter Selektionsprozess, an dessen Ende der ehemalige Staatssekretär und IWF-Chef Horst Köhler als faktisch dritte Wahl von Angela Merkel, Guido Westerwelle und Edmund Stoiber zum Präsidenten auserkoren wurde. Der unter den damaligen Umständen beste Kandidat Wolfgang Schäuble durfte nicht zum Zuge kommen.

Köhler hat sich in den folgenden Jahren bemüht. Weil er im guten wie im schlechten Sinne so wenig Politiker war, wurde er beim Volk populär. Seine gebildete Naivität, sein hölzerner Humor, sein schwäbischer Idealismus machten ihn zwar oft zum Gespött der politischen Klasse, ließen aber viele Menschen glauben, er sei einer von ihnen. Diese Popularität und die Schwierigkeit für Union und FDP im Jahr 2009, Köhler zugunsten eines Anderen zu stürzen, sicherten ihm die zweite Amtszeit. Köhler war schon da und das gereichte ihm zum Vorteil.

Nun hat er sich selbst gestürzt. Er wird in die Geschichte eingehen als der Bundespräsident, der zurückgetreten ist. Sein Nachfolger sollte nun einer werden, der anders als Roland Koch Politik durchaus als fast alles sieht und der anders als Horst Köhler sich nicht für das Amt hält. Man möchte einen erfahrenen, klugen Politiker mit Haltung und Mut zum Widerspruch, der bleibt, auch wenn es schwierig wird.

Es gibt einen solchen Mann, der endlich wählbar sein sollte für Schwarz und Gelb und sogar für etliche aus den anderen Parteien. Er heißt immer noch Wolfgang Schäuble.