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Bundespräsident Köhler tritt zurück:Die Gründe für den Rücktritt

Da war die Kritik von allen Seiten aber längst in der Welt. Politiker aus der Opposition hatten Köhler scharf angegriffen. "Wir brauchen weder Kanonenbootspolitik noch eine lose rhetorische Deckskanone an der Spitze des Staates", sagte etwa Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin. Thomas Oppermann, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Bundestag sagte: "Köhler schadet der Akzeptanz der Auslandseinsätze der Bundeswehr."

Linken-Chef Klaus Ernst gab Köhler das vergiftete Lob, dieser habe nur ausgesprochen, was nicht zu leugnen sei: "In Afghanistan riskieren Bundeswehrsoldaten Gesundheit und Leben für die Exportinteressen riesiger Konzerne."

Aber auch in der Union waren viele irritiert. Ruprecht Polenz mühte sich um Schadensbegrenzung und räumte ein, Köhler habe sich wohl "etwas missverständlich" ausgedrückt. Das Interesse Deutschlands an freien Handelswegen stehe in keinem Zusammenhang mit dem Militäreinsatz in Afghanistan, stellte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages fest.

Dem Bundespräsidenten ist das zu viel. Er fühlt sich missverstanden - und er vermisst den "notwendigen Respekt vor dem höchsten Staatsamt", erklärt er unter Tränen seinen historisch einmaligen Schritt. Die Unterstellung, er habe einen grundgesetzwidrigen Einsatz der Bundeswehr zur Sicherung von Wirtschaftsinteressen befürwortet, entbehre jeder Rechtfertigung, sagt Köhler.

Es war kein Skandal. Es war nur ein Interview. Aber eines, in dem Köhler sich zumindest eindeutig unglücklich geäußert hat. Die Verbindung zum Afghanistan-Einsatz, die hat Köhler selbst geschaffen. Dass die Kritik daran ihm zum Rücktritt bewegt, damit hat wohl keiner der Kritiker gerechnet.

© sueddeutsche.de/cmat
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