Bundespräsident in Washington:Gauck wünscht sich US-Engagement in der Flüchtlingskrise

Gauck in den USA

Bundespräsident Gauck spricht mit US-Präsident Obama im Oval Office.

(Foto: dpa)
  • Bundespräsident Gauck wird von Barack Obama empfangen. Er ist der erste deutsche Staatschef zu Besuch im Weißen Haus seit 18 Jahren.
  • Gauck bekräftigt die Bedeutung der deutsch-amerikanischen Freundschaft gleichzeitig äußert er den Wunsch, die USA sollten in der Flüchtlingskrise Verantwortung übernehmen.

Gauck bekräftigt Bündnis mit den USA und kritisiert deren Rolle in Nahost

Bundespräsident Joachim Gauck hat US-Präsident Barack Obama um mehr Engagement der Vereinigten Staaten in der Flüchtlingskrise gebeten. "Deutschland ist ein Land, das sich aufgrund seiner Geschichte bereit erklärt hat, Menschen Asyl zu gewähren", sagte Gauck zu Beginn seines Treffens mit Obama im Oval Office des Weißen Hauses. "Wir wünschen uns auch, dass diese große humanitäre Aufgabe, die vor uns allen steht, vielleicht nicht nur in Europa, sondern darüber hinaus auch in Ihrem Lande betrachtet wird."

Gauck sagte, die Lage in Syrien sei "schrecklich verwickelt und wir haben noch nicht die nötigen diplomatischen Antworten zur Lösung dieser Krise". Mit Blick vor allem auf den Irak sagte er, die Amerikaner seien im Nahen Osten aktiv gewesen, um Verhältnisse zu verändern, Diktatoren zu stürzen, neue Gesellschaften zu errichten. "Und aus diesen Einsätzen heraus sind ja auch Flüchtlingsbewegungen entstanden. Da beißt die Maus keinen Faden ab." Trotz mancher Missverständnisse stünden Deutschland und die USA eng zusammen, versicherte Gauck.

Zuletzt wurde Roman Herzog im Weißen Haus empfangen

Obama würdigte Gaucks Rolle in der Oppositionsbewegung in der DDR. "Es ist vermutlich nicht allen Amerikanern bekannt, welche wunderbare Rolle Herr Gauck gespielt hat bei der Wiederherstellung eines modernen, vereinten Deutschland", sagte Barack Obama Als Bundespräsident trage er mit seiner "klaren Stimme" dazu bei, dass Deutschland bei einer Reihe internationaler Themen wie dem Syrien-Konflikt, der Flüchtlingskrise und dem Atomabkommen mit dem Iran auf der Weltbühne Spuren hinterlasse und "ein unglaublich wichtiger Partner für uns ist".

Gauck ist der erste Bundespräsident seit 18 Jahren, der im Weißen Haus empfangen wurde. Zuletzt war Roman Herzog 1997 beim damaligen US-Staatsoberhaupt Bill Clinton zu Gast. Gauck trifft am Mittwoch auch US-Vizepräsident Joe Biden und US-Außenminister John Kerry. Bei einer Zeremonie im Washingtoner Außenministerium will Gauck ein Stück der Berliner Mauer überreichen.

Der Bundespräsident war am Montag in Philadelphia zu der dreitägigen USA-Reise eingetroffen. Als Ziel seines Besuchs bezeichnete er es, das transatlantische Verhältnis zu stärken und verlorenes Vertrauen wieder herzustellen. Gauck dankte den Vereinigten Staaten für den Einsatz des Landes für die deutsche Einheit vor 25 Jahren, ausdrücklich würdigte er bei einer Feier am Dienstagabend in der deutschen Botschaft in Washington die Rolle des damaligen US-Präsidenten George Bush senior.

© SZ.de/AFP/dpa/cmy
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