Enthüllung Die Sache mit dem Krieg

Noch zu Zeiten als niedersächsischer Ministerpräsident war Wulff (CDU), geführt von seinem damaligen Regierungs- und späteren Präsidentensprecher Olaf Glaeseker, einen anderen Umgang mit der Springer-Presse gewohnt: Die Scheidung von Ehefrau Christiane und den Übergang in die zweite Beziehung mit der heutigen Frau Wulff, Bettina Körner, lief zum Beispiel öffentlich unter anderem in der Bild-Zeitung ab.

Ein Hauskauf und seine Folgen.

(Foto: SZ)

Das Blatt wurde mit Informationen, hübschen Bildern und später Babyfotos vom jungen Glück versorgt - die Scheidung war kaum Thema. Auch danach waren die Wulffs, gut vernetzt in der übersichtlichen VIP-Szene in Hannover, oft im bunten Teil der Zeitung zu finden.

Das Verhältnis kühlte jedoch schon im Präsidentenwahlkampf ab, als sich die Springer-Presse sehr für den Kandidaten Joachim Gauck begeistern konnte. Wulff trat den Weg ins Schloss Bellevue fast ohne mediale Unterstützung an; als sein vom befreundeten Osnabrücker Unternehmerpaar Geerkens gewährter Kredit öffentlich wurde, wähnte Wulff-Sprecher Glaeseker dahinter sofort eine Kampagne der Medien.

Ein Anruf, der zur verkorksten Öffentlichkeitsarbeit Wulffs passt

Am 12. Dezember platzte dem Bundespräsidenten der Kragen. Wenn Bild "Krieg führen" wolle, dann solle man darüber nach seiner Rückkehr mit ihm sprechen, wie dieser Krieg geführt werden solle. Nach SZ-Informationen soll Wulff sogar mit einem Strafantrag gegen die Journalisten gedroht haben. In seiner öffentlichen Erklärung vom 22. Dezember zeigte er sich einsichtiger: "Ich weiß und finde es richtig, dass die Presse- und Informationsfreiheit ein hohes Gut ist in unserer freiheitlichen Gesellschaft."

Dass niemand den unbeherrschten Anruf beim Bild-Chef verhindern konnte, rundet das Bild der verkorksten Öffentlichkeitsarbeit im Präsidenten-Stab ab. Auch nach einer schriftlichen und einer mündlichen Erklärung des Bundespräsidenten gelingt es noch, Widersprüche zwischen den zeitlichen Abläufen der Kreditvergabe und -umwandlungen sowie den Schilderungen Wulffs zu finden. So hatte Wulff mit einer schriftlichen Erklärung am 15. Dezember den Anschein erweckt, die Umwandlung einer sehr zinsgünstigen Übergangsfinanzierung in ein reelles Hypothekendarlehen bei der BW-Bank sei bereits abgeschlossen - tatsächlich hatte er zu diesem Zeitpunkt nicht einmal den Vertrag an die Bank zurückgeschickt (SZ vom 31. Dezember).

So geht der Bundespräsident mit vielen offenen Fragen ins neue Jahr - womöglich hatte er das geahnt, als er Diekmanns Nummer wählte.

Öffentliche Auftritte des Ehepaars Wulff

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