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Bundespräsident in der Kritik:Wulff soll Manager bei der Suche nach Sponsoren geholfen haben

Inzwischen tauchen immer neue Vorwürfe auf, fast stündlich kommen neue Informationen hinzu, die Zweifel an der Integrität des Staatsoberhauptes aufkommen lassen.

Debatte um Wulff

Bundespräsident Christian Wulff soll schon im Somnmer 2011 versucht haben, einem ihm unliebsamen Artikel über seine Familiengeschichte zu verhindern. Einen Journalisten der Welt am Sonntag soll er dabei massiv unter Druck gesetzt haben.

(Foto: dapd)

Wie der Stern vorab berichtet, gibt es eine Anhaltspunkte über Wulffs problematische Beziehungen zu befreundeten Geschäftsleuten: Der Bundespräsident soll in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident dem Eventmanager Manfred Schmidt zumindest indirekt bei der Sponsorensuche für private Prominentenpartys geholfen haben.

Wie das Magazin schreibt, sprach Wulff seinerzeit den Vorstandschef des Hannoveraner Versicherungskonzerns Talanx, Herbert Haas, auf den von Schmidt privatwirtschaftlich organisierten sogenannten Nord-Süd-Dialog an. Wulff, der Schirmherr der Veranstaltungsreihe war, habe Haas, "auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht", teilte Talanx auf Anfrage mit. Wulffs damaliger Sprecher Olaf Glaeseker habe dann "weitere Informationen" übermittelt.

Der Konzern entschied sich anschließend für ein Sponsoring und steuerte für das Event im Dezember 2009 insgesamt 10.000 Euro bei. Auch der Touristikkonzern Tui wurde von der Staatskanzlei auf die Eventreihe hingewiesen und zahlte 2007 und 2008 je 25.000 Euro für den Nord-Süd-Dialog. Glaeseker habe zuvor "auf die Veranstaltung und die Möglichkeit eines Sponsorings aufmerksam gemacht", bestätigte Tui dem Magazin.

Die Staatsanwaltschaft Hannover prüft, ob sie wegen angeblich kostenloser Ferienaufenthalte Glaesekers auf den Anwesen von Schmidt ein Ermittlungsverfahren gegen Wulffs Ex-Sprecher einleitet. Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft nach einem Bericht der Frankfurter Rundschau zudem, ob wegen Wulffs Droh-Anruf bei Bild-Chefredakteur Kai Diekmann der Anfangsverdacht der Nötigung besteht. Es liege eine Anzeige vor, teilte man bei der Staatsanwaltschaft mit.

Wulff wollte offenbar auch "Welt am Sonntag" -Bericht verhindern

Auch im Zusammenhang mit der Beeinflussung von Journalisten gibt es unterdessen weitere Vorwürfe gegen den Bundespräsidenten: Die Drohanrufe bei Bild-Journalisten, um das Bekanntwerden die Kredit-Affäre zu verhindern, sind offenbar nicht der einzige Fall, in dem Christian Wulff versucht hat, eine ihm unliebsame Berichterstattung zu verhindern.

Der Bundespräsident soll schon im Sommer dieses Jahres versucht haben, per Telefonanruf einen Artikel der Welt am Sonntag zu Verhindern. Die Tageszeitung aus dem Springer-Verlag soll damals einen Bericht über Wulffs Familiengeschichte und seine Halbschwester geplant haben.

Der Bundespräsident habe dabei telefonisch auch bei der Verlagsführung interveniert, einer der Autoren sei zum Gespräch ins Schloss Bellevue zitiert worden, berichtet Welt Online. Dort soll der Bundespräsident dem Journalisten mit massiven Konsequenzen für den Fall der Veröffentlichung gedroht haben. Das geht aus einem Facebook-Eintrag des stellvertretenden Chefredakteurs der Welt-Gruppe, Oliver Michalsky, hervor.

Am 26. Juni ist dann der betreffende Artikel über die Halbschwester Bettina Mertschat-Wulff tatsächlich erschienen, von der die Öffentlichkeit bis dato kaum etwas wusste.

© sueddeutsche.de/olkl/mit Material der Agenturen
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