Viele deutsche Medienhäuser haben ihren Sitz nicht in Berlin – ihre Redaktionen sind in Hamburg, Frankfurt oder in München angesiedelt. Für die Berichterstattung aus der Hauptstadt unterhalten sie also Außenbüros, einst in Bonn, heute in Berlin. In diesen Außenbüros, in denen über das Kanzleramt, die Ministerien, die Parteien berichtet wird, herrscht natürlich die Überzeugung, von Bundespolitik selbst am meisten zu verstehen. Auch die Parlamentsredaktion der SZ, seit der Hauptstadtwerdung Berlins am Gendarmenmarkt beheimatet, pflegt ihre Eigenständigkeit. Ein Kollege hat sie mit einem gallischen Dorf verglichen: Sie definiere sich auch dadurch, mit Rom nicht immer einer Meinung zu sein.
Im Verhältnis zwischen dem Berliner SZ-Büro und der SZ-Zentrale in Rom, Pardon, München, kommt es also zu angeregten Diskussionen darüber, welche neue Entwicklung auf der Homepage der SZ oder in deren gedruckter Ausgabe zu erscheinen habe. Dabei entscheidet natürlich allein, was die Leserinnen und Leser der SZ am meisten interessiert, wobei natürlich in Berlin wie auch in München die Überzeugung herrscht, dies jeweils am besten beurteilen zu können.
An spannenden Geschichten jedenfalls mangelt es in Berlin nicht: Kanzler Olaf Scholz hat es nicht einmal bis zum Ende seiner regulären Amtszeit geschafft, jüngst fand eine vorgezogene Bundestagswahl statt, nun ist Friedrich Merz Kanzler – und über allem liegt der Schatten des Kriegs in der Ukraine. Dass die Bundespolitik turbulent bleiben wird, ist selbst zwischen Berlin und München völlig unumstritten.

