Süddeutsche Zeitung

Energieversorgung:Gaspreis könnte sich verdoppeln oder sogar verdreifachen

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Der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, erwartet einen massiven Preisanstieg im Herbst. Er ruft die Industrie und die Bürger auf, Energie zu sparen.

Klaus Müller, der Chef der Bundesnetzagentur, warnt vor drastischen Steigerungen beim Gaspreis. Nachdem Wirtschaftsminister Robert Habeck die Alarmstufe des Notfallplan Gas ausgerufen hat, sagte Müller am Freitagmorgen der ARD, dass er es für möglich halte, dass der Gaspreis weiter steigt und sich verdoppeln oder gar verdreifachen könnte. "Schon jetzt werden die Gaspreissteigerungen des letzten Herbstes weitergegeben. Das ist knapp plus 30, plus 50, teilweise plus 80 Prozent. Das ist die Vergangenheit aus dem Herbst." Zuletzt habe sich der Gaspreis versechsfacht. Deshalb müsse auch für den Fall, dass diese Preissteigerung nicht direkt an die Kunden weitergegeben werde, mit einem massiven Anstieg gerechnet werden.

Aufgrund der angespannten Lage rief Müller die Industrie und die Bürger zum Energiesparen auf. "Jeder und jede in der Industrie und privat kann eben dazu beitragen - und ja, dazu gehört auch der Pulli, der Duschkopf, die Heizung ein bisschen runterstellen, all das hilft", sagte er. Damit schließt er sich Wirtschaftsminister Robert Habeck an, der schon seit Wochen fordert, sparsamer mit Gas umzugehen.

Grund für die derzeit angespannte Situation ist, dass Russland die Menge an Gas, die durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 nach Deutschland fließt, seit der vergangenen Woche um 60 Prozent verringert hat. Habeck nannte die Drosselung einen "ökonomischen Angriff". Der Kreml bestritt, dass die reduzierte Gasmenge eine Reaktion auf die Sanktionen gegen Russland sei. Da vom 11. Juli an eine routinemäßige zehntägige Wartung der Pipeline ansteht, befürchtet Habeck, Russland könnte seine Gaslieferungen an Deutschland noch weiter zurückfahren.

Mit Blick auf den Herbst erfüllt Bundesnetzagentur-Chef Müller ein solches Szenario mit Sorge. Man könne nicht ausschließen, dass Russland seine Lieferungen an Deutschland sogar vollständig einstelle. Dann wäre das von Habeck ausgerufene Ziel, die Gasspeicher in Deutschland für den Winter zu 90 Prozent zu füllen, nicht mehr zu erreichen. Derzeit sind die Speicher zu knapp 60 Prozent gefüllt. Darum habe die Bundesnetzagentur verschiedene Szenarien berechnet, so Müller. "Die meisten Szenarien sind nicht schön und bedeuten entweder zu wenig Gas am Ende des Winters oder aber schon - ganz schwierige Situation - im Herbst oder Winter."

Am Donnerstag hatte Wirtschaftsminister Robert Habeck die Alarmstufe des Notfallplans Gas ausgerufen. "Gas ist von nun an ein knappes Gut", sagte er. Die Alarmstufe ist für die Bundesregierung die Grundlage dafür, Kohlekraftwerke wieder ans Netz zu nehmen, um Gas bei der Stromerzeugung einzusparen. Ob und wann die nächste Stufe im Notfallplan Gas ausgerufen werden muss, ist unklar. Bei der dann geltenden Notfallstufe würde der Staat in den Markt eingreifen und die Bundesnetzagentur die Gasverteilung regeln. Dabei sind einige Verbrauchergruppen besonders geschützt. Dazu gehören private Haushalte, Krankenhäuser, die Feuerwehr und die Polizei oder Gaskraftwerke, die zugleich der Wärmeversorgung von Haushalten dienen.

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