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Bundesinnenminister:Mittendrin und unsichtbar

Deutschland führt Grenzkontrollen ein

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in Berlin vor Journalisten. Der große Auftritt aber ist seines nicht.

(Foto: dpa)

Alle Welt ruft nach einem Krisenmanager. Doch Thomas de Maizière ist nicht wie Ursula von der Leyen. Der große Auftritt liegt ihm nicht.

Ein kurzes "Hallo" muss reichen. Dann möchte der Innenminister auf seinen Platz verschwinden. Will sich vorbereiten; Unterlagen prüfen; mit seinen Beamten sprechen. Auf dem Rollfeld hat er minutenlang telefoniert, hat sich noch mal abgestimmt und abgesichert. Dann ist er aus dem Wagen gestiegen und hat so viele Papiere unter den Arm genommen, dass er nicht wie der Krisenmanager der Regierung, sondern doch wieder wie sein eigener Aktenträger aussieht. Nein, Thomas de Maizière wird sich auch in dieser größten seiner Krisen nicht ändern.

Die Akten sind sein Leben. Er schreitet nicht zur Maschine, streckt nicht die Brust raus, wie das Frank-Walter Steinmeier macht, wenn er mit großem Auftrag in die Welt aufbricht. Er hält einen Haufen Unterlagen in Händen. Auch das ist ein Bild, ist eine Geste. Nur eben keine große.

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Der menschenwürdige Umgang mit Flüchtlingen ist eine nationale Aufgabe, die von oben zu steuern ist. Wo also ist Bundesinnenminister de Maizière?   Kommentar von Bernd Kastner

Der Innenminister ist auf dem Weg nach Brüssel. Er soll in einer Krisensitzung der Innen- und Justizminister für eine fairere Verteilung von Flüchtlingen in der EU streiten. Das ist kein Thema wie viele. Es steht im Zentrum einer sehr großen Krise. Einer Krise für die EU, für Deutschland und für de Maizière persönlich.

Der Bundesinnenminister verkörpert wenig Kraft und Richtung

Seit Tagen macht die Regierung den Eindruck, als stolpere sie eher von Beschluss zu Beschluss, als dass sie die Lage wirklich im Griff hätte. Das Land bräuchte einen Innenminister, der einen Plan hat und diesen auch nach außen mit Verve und Entschlossenheit verkörpert. Doch dann steigt Thomas de Maizière aus dem Wagen und der erste Blick fällt auf seine Akten. Wenn man nicht wüsste, dass er es ist, der gleich in Brüssel für Berlin streitet - man würde sein Geld eher nicht drauf verwetten.

Nun ist dieser kurze Augenblick nicht von großer Bedeutung. Aber er steht exemplarisch für das vorherrschende Gefühl, dass ausgerechnet der Bundesinnenminister, zuständig für Migration, Asyl und Flüchtlinge, in dieser Krise wenig präsent ist. Wenig Kraft und Richtung verkörpert. Die Kanzlerin, der Vizekanzler, Horst Seehofer - sie sind es, die die Medien bedienen, die Stimmungen prägen und die Debatten beherrschen. Der zuständige Minister dagegen wirkt wie verschwunden.

Dass das nicht stimmt, wissen alle, die seine Arbeit im Kabinett oder im Ministerium miterleben. Und auf dem Flug nach Brüssel bekommt man eine Ahnung davon, was ihn alles umtreibt. Dann erzählt er von den täglichen Schaltkonferenzen mit den Ländern, von den Krisensitzungen und Gesprächen, und von den ewig währenden Bemühungen, endlich die Verzögerungen bei den Asylentscheidungen in den Griff zu bekommen.