Süddeutsche Zeitung

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich:Der Mann, der den Mimen mimt

Der neue Bundesinnenminister ist ein freundlicher Mann. Man wird das Gefühl nicht los, dass da einer ein wenig schauspielert - in seinen Reden, wenn er den Law-and-Order-Mann mimt.

Heribert Prantl

Der neue Bundesinnenminister ist ein überaus freundlicher Mann, einer, dem man scharfe Töne eigentlich gar nicht zutraut. Man sitzt mit ihm am Holztisch in der Gaststätte "Löwe und Raute", gleich neben der Landeszentrale der CSU in der Münchner Nymphenburger Straße. Er trinkt Wasser, erstens, weil noch später Vormittag ist und zweitens, weil ein Innenminister auch Sportminister ist und er am nächsten Tag beim Joggen mit seinen Sicherheitsbeamten wieder Schritt halten will.

Der Mann aus Oberfranken erzählt das beiläufig, er ist keiner, der sich inszeniert - nur die Bierkrüge, die in so einem Wirtshaus im Regal stehen, sollten, meint er, nicht unbedingt auf dem Foto zu sehen sein. Als Bezirksvorsitzender der CSU von Oberfranken ist Hans-Peter Friedrich kommissarischer Nachfolger von Karl-Theodor zu Guttenberg; als Selbstdarsteller nicht.

Aber trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass da einer ein wenig schauspielert - beim Reden, in der Art und Weise, wie er da den Law-and-Order-Mann mimt. Zu Hans-Peter Friedrichs Wahlkreis gehört die Festspielstadt Bayreuth. Und in Wagners Opern spielt Mime, der Schmied der Heldensage, eine bedeutende Rolle als das heldische Gegenüber von Siegfried. Wenn der neue Bundesinnenminister Friedrich von innerer Sicherheit redet, dann klingt es so, als sei hier einer eingesprungen, um die Rolle des sagenhaften Schmieds zu singen und dabei, weil es sich so gehört, auf der Bühne kräftig den Amboss zu schlagen.

Eingesprungen ist er ja tatsächlich, nach dem Amt des Bundesinnenministers hat es ihn nicht gedrängt. Der 54-Jährige ist studierter Jurist und Volkswirtschaftler, er hat über die "Testamentsvollstreckung in Kommanditanteile" promoviert, war seit 1993 Referent des CSU-Landesgruppenchefs Michael Glos, dem er 2009 nachfolgte. Seit 1998 sitzt er im Bundestag.

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Quelle:
SZ vom 31.03.2011/feko
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