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Bundeshaushalt:Tag des Herdenschutzesels

Das Parlament verabschiedet den Etat 2021, ein Tier kommt zu besonderen Ehren

Von Cerstin Gammelin, Berlin

Der Herdenschutzesel dürfte bislang nur den wenigsten Menschen ein Begriff sein. Das könnte sich demnächst ändern, denn der Bundestag hat am Freitag beschlossen, 100 000 Euro für eine sogenannte Machbarkeitsstudie auszugeben, "mit der die Eignung von Herdenschutzeseln bei der Abwehr von Wolfsangriffen auf Nutztierherden untersucht wird". Man will also prüfen, ob ein Esel eine Herde von Schafen zu schützen vermag, beispielsweise durch Schreien und/oder mit den Hufen. Bezahlt wird das Ganze vom Umweltministerium.

Die Mittel sind Teil des Bundeshaushalts 2021, der mit Ausgaben in Höhe von fast 500 Milliarden Euro der zweitgrößte in der Geschichte der Bundesrepublik sein wird - nur überboten von dem des zu Ende gehenden Jahres. Er ist wegen der Pandemie um 180 Milliarden Euro angeschwollen; diese Summe plant Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) an zusätzlichen Krediten ein. Dazu wird es wieder eine Ausnahme von der Schuldenbremse geben.

In der Debatte des Bundestags schaffte es der Herdenschutzesel schon mal zu fraktionsübergreifender Bekanntheit. Abgeordnete aller Fraktionen nutzten Wortspiele mit dem Tier, um sich am Bundeshaushalt abzuarbeiten. Tobias Lindner von den Grünen kritisierte "manche Eselei". Otto Fricke lobte die FDP als "einzigen Herdenschutzesel für die Wirtschaft und für den Gesellschaftsvertrag". Christian Haase von der CDU versetzte das Tier in die weihnachtliche "Krippe mit Ochs und Herdenschutzesel". Der Sozialdemokrat Michael Groß forderte, die Tiere "auch gegen die Fake News der AfD" einzusetzen. Anja Hajduk von den Grünen warf Finanzminister Scholz vor, die wirtschaftlichen Hilfen in der Pandemie falsch konzipiert zu haben, "es soll ja Herdenschutzesel geben, aber mir würde es schon reichen, wenn Sie den Schutzengel geben für ein Lieferkettengesetz". Sebastian Brehm von der CSU mahnte, es brauche mehr dieser Esel, "um die bösen Vermögensteuerwölfe von der Herde fern zu halten". Die Linke Gesine Lötzsch kritisierte, Wähler seien keine Schafe und würden sich nicht von einem Herdenschutzesel herumkommandieren lassen. Olaf Scholz wiederum fand die Wortspiele wohl so albern, dass er auf die Nennung des Tiers verzichtete.

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