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Markt und Marken:Goldig

Die Firma Lindt streitet um die Farbe ihrer Schokohasen.

Von Wolfgang Janisch

Um die psychologische Wirkung von Farben wird ja viel Gewese gemacht, in der Werbung zumal. Gold zum Beispiel, wofür das nicht alles stehen soll. Sonne und Wärme, Macht und Reichtum, Prunk und Luxus. Da muss man beim Mischen schon aufpassen, kleine Abweichungen verursachen große Ausschläge - Gelb steht angeblich für Geiz. Unbestritten ist aber, dass Farbe im Gewimmel der Marken und Produkte oft das kaufentscheidende Signal ist, eine Leuchtboje im Warenregal: Bei vertrauten Farben greift der Kunde erleichtert zu.

Das ist der Grund, warum um den Markenschutz für Farben vor den Gerichten so erbittert gestritten wird. An diesem Donnerstag geht es vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe um den "Lindt Goldhasen" mit roter Schleife und Glöckchen. Irgendwie goldig. Sicher repräsentiert der Hase Macht und Reichtum, jedenfalls für Lindt & Sprüngli, den Schokohersteller vom Zürichsee. In den vergangenen 30 Jahren hat er allein in Deutschland mehr als 500 Millionen Goldhasen verkauft. Der meistverkaufte Osterhase Deutschlands, Marktanteil bei 40 Prozent.

Kein Wunder, dass man am Zürichsee unwirsch reagierte, als eine Confiserie aus Kempten im Allgäu vor drei Jahren zu Ostern einige Schokohasen ebenfalls in Goldpapier einwickelte. Schokohase plus Goldpapier, das addiere sich in den Köpfen der Konsumenten stets zu "Lindt Goldhase", argumentierte Lindt & Sprüngli, und zwar bei fast 80 Prozent der Kunden. Überragende Verkehrsgeltung, so nennt man das. Trotzdem hat das Oberlandesgericht (OLG) München die Klage der Schweizer abgewiesen. Nun hoffen ihre Anwälte, das Urteil vor dem BGH zu drehen.

Sparkassen-Rot und Nivea-Blau

Immer wieder haben Gerichte einen Markenschutz für Farben anerkannt. Obwohl man hier zurückhaltend sein muss, sonst gehen der Werbung irgendwann die Farben aus. Nivea zum Beispiel: Jahrelang stritt die Firma Beiersdorf um ihre Farbmarke Blau, eingetragen für Haut- und Körperpflegeprodukte. Das Bundespatentgericht wollte sie löschen lassen, aber der BGH entschied zugunsten von Beiersdorf, und 2019 lenkte das oberste Patentgericht ein: Nivea-Blau gehört Beiersdorf.

Inzwischen lässt sich aus der Markenjustiz eine ganze Farbpalette zusammenstellen. Langenscheidt verteidigte erfolgreich das Gelb seiner Wörterbücher. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband setzte sich nach jahrelangem Kampf um das Rot der Sparkassen 2016 vor dem BGH durch. Man erinnere sich nur an die Telekom, die sich in den 90er-Jahren - frisch privatisiert - magenta färbte und den Segen aus Karlsruhe erhielt. Auch eine andere Schokoladenmarke gewann 2004 in Karlsruhe, sie ist lila und heißt - genau!

Ob das auch bei Lindt & Sprüngli klappt? Bisher hat der BGH den Schutz nur akzeptiert, wenn es um eine übergreifende "Hausfarbe" für ein Produktsegment ging. Bei den Schweizern hingegen steht der Goldhase ziemlich allein da. Außerdem schauten die Kunden nicht nur auf die Farbe, sondern auch auf die Gestalt, schrieb das OLG München, und die Hasen von der Konkurrenz aus dem Allgäu sähen nun mal ganz anders aus. Die Richter könnten das aus eigener Anschauung beurteilen, fügte das OLG hinzu. Sie seien schließlich selbst potenzielle Käufer von Schokohasen.

© SZ
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