Bundesbildungsministerin Schavan tritt zurück Zuerst das Land, dann die Partei, "und dann ich selbst"

Zuerst das Land, dann die Partei, "und dann ich selbst", sagt Schavan. Jedes ihrer Worte soll ihr einen Abgang in Würde ebnen. Darum geht es an diesem Samstag, darum steht auch Merkel neben ihr. Das hat sie bei keinem Rücktritt getan, den es unter ihrer Kanzlerschaft gegeben hat. Röttgen hat sie rausgeschmissen, Guttenberg, Glos, Jung, sie alle haben ihre Rücktritte in ihren jeweiligen Ministerien erklärt. Solo.

Dass Merkel ihr zur Seite steht ist auch der besonderen Beziehung zwischen den beiden geschuldet. Freundschaft ist das Wort, das beide in den Mund nehmen. Ein seltenes Wort in der Politik, wenn es ernst gemeint ist. "Sehr schweren Herzens" habe sie das Rücktrittsangebot von Schavan entgegengenommen. Für einen Moment wirkt es, als falle ihr das alles schwerer, als Schavan selbst. Merkel fängt sich sofort wieder, als sie Schavan als "die anerkannteste und profilierteste" Forschungspolitikerin im Land lobt.

Hier geht es nicht um die persönliche Beziehung der beiden zueinander. Hier geht es um Macht und Politik. Da sind solche Entscheidungen zuweilen nötig. Trotz der menschlichen Härte, die das für zwei Menschen bedeutet, die sich als Freundinnen begreifen.

Politiker unter Plagiatsverdacht

Von Guttenberg über von der Leyen bis Giffey

Merkel nennt auch noch die Nachfolgerin, als Schavan ihr vorerst letztes Wort als Bildungsministerin im Kanzleramt gesprochen hat. Johanna Wanka wird es, die noch amtierende Forschungsministerin in Niedersachsen. Merkel trägt diese Personalie vor, als würde sie zum hundertsten Mal die Menüfolge für ein abendliches Bankett verlesen. Jetzt schon Schavans Nachfolge zu kommunizieren ist wichtig, weil es die Debatte vom Rücktritt ablenken kann. Merkel will Handlungsfähigkeit unter Beweis stellen. An Tagen wie diesen aber dürfte ihr schmerzlich bewusst werden, dass auch sie den Gesetzen des politischen Geschäfts unterliegt.

Dann gehen sie. Wortlos. Angespannt. Fragen sind nicht zugelassen. Schavan wird jetzt weiterkämpfen. Um ihre wissenschaftliche Reputation, um ihre Glaubwürdigkeit. Der Erfolg ist ungewiss. Es wird ein schwerer Weg werden.

Schavans Regelbuch

"Geistiger Diebstahl ist kein Kavaliersdelikt"