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Bundesanwaltschaft: Schlag gegen Terrornetzwerk:Drei mutmaßliche Al-Qaida-Mitglieder festgenommen

Beamte des Bundeskriminalamts haben drei Personen festgenommen, die mutmaßlich dem Terrornetzwerk al-Qaida angehören. Die drei Männer wurden bereits seit längerer Zeit überwacht. Der Innenminister spricht von einer "konkreten und bevorstehenden Gefahr durch den internationalen Terrorismus".

Die Bundesanwaltschaft hat am Freitagmorgen drei mutmaßliche Mitglieder der Terrororganisation al-Qaida festnehmen lassen. Das teilte die Strafverfolgungsbehörde in Karlsruhe mit.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung handelt es sich bei dem Hauptverdächtigen um einen deutschen Staatsbürger marokkanischer Herkunft. Woher die beiden anderen stammen ist noch unklar.

Die drei Männer im Alter von 29 bis 30 Jahren brachen jeweils ein in Nordrhein-Westfalen begonnenes Studium ab. Danach versuchten sie offenbar über längere Zeit, Chemikalien zu organisieren. Dabei wurden die mutmaßlichen Terroristen von Ermittlern ständig überwacht. Diese schlugen zu, als die drei Verdächtigen mit den wenigen Chemikalien, die sie bis dato zusammengetragen hatten, einen "Probelauf" starten wollten. Genaueres dazu ist noch nicht bekannt.

Laut dpa-Informationen hatte die Gruppe ursprünglich für die Nacht zum Freitag eine Art Testlauf geplant. Der sei dann aber verschoben worden. Bei dem Testlauf habe es sich noch nicht um einen geplanten Terroranschlag gehandelt.

Das Bundeskriminalamt (BKA) ist den mutmaßlichen Terroristen durch Überwachung ihrer Handys und Computer auf die Spur gekommen.

Zwei der Männer sollen in der Nacht zum Freitag in Düsseldorf festgenommen worden sein, der dritte in Bochum. Bei dem Trio handelt es sich demnach um Abdeladim K. und Jamil S. aus Düsseldorf sowie Ahmed Sh. aus Bochum. Einer der drei soll in einem Terrorcamp im Ausland ausgebildet worden sein.

Die Beschuldigten würden am Samstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Die Festnahme erfolgte durch Beamte des BKA. Nähere Einzelheiten sollen am Samstagvormittag auf einer Pressekonferenz mitgeteilt werden, an der Bundesanwalt Rainer Griesbaum und der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, teilnehmen.

Mit der Festnahme gelang es den Sicherheitsbehörden nach Worten von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, "eine konkrete und bevorstehende Gefahr durch den internationalen Terrorismus abzuwenden". Der Vorfall zeige, dass Deutschland "nach wie vor im Fadenkreuz internationaler Terroristen" stehe, erklärte der CSU-Politiker in Berlin. Es gelte, "auch weiterhin wachsam zu bleiben."

Im Februar hatte die Bundesregierung die inoffizielle Terrorwarnstufe gesenkt und die Sicherheitskontrollen durch Polizisten an Bahnhöfen und Flughäfen reduziert. Der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière betonte zwar, dass er keine Entwarnung in Sachen Terroranschlag geben könne, doch laut Sicherheitsbehörden war die unmittelbare Gefahr eines Anschlags gebannt. Im November hatte der Minister die Sicherheitsvorkehrungen verschärft und vor konkreten Anschlagsplänen von Islamisten bis Ende des Monats gewarnt. So wurde unter anderem die Kuppel des Reichtagsgebäudes in Berlin zeitweise für Besucher gesperrt.

Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, hatte die Gefahr eines Terroranschlags erst kürzlich als unverändert hoch bezeichnet. "Auch wenn die sichtbaren Schutzmaßnahmen zurückgenommen wurden, ist die Bedrohungslage unverändert ernst", sagte Fromm der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Islamisten hätten das Ziel eines Anschlags erkennbar nicht aufgegeben.

Nach Angaben des Verfassungsschutzes ist die Islamistenszene in Deutschland im vergangenen Jahr mit insgesamt rund 37.500 Mitgliedern erneut gewachsen. 2009 seien es noch 1000 weniger gewesen. Der größte Teil entfalle jedoch auf nicht gewaltorientierte islamistische Organisationen.

© dpa/AFP/ap/rtr/segi/isch

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