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Bulgarien:Wie Moskau reagieren könnte

Moskau dürfte dies kaum kampflos hinnehmen. Die Neuwahl wird also das Ringen in und um Bulgarien erst richtig anheizen. Dafür gibt es schon jetzt Anzeichen. Viele wichtige Aktionen finden in Bulgarien hinter den Kulissen statt. Beim Krisentreffen der Parteiführer mit dem Präsidenten fehlte etwa ein Mann, den manche Beobachter in Sofia als einen der mächtigsten Bulgariens sehen: Deljan Peewski, trotz seiner erst 33 Jahre bulgarischen Medien zufolge nicht nur faktischer Herr über ein ausgedehntes Medien- und Wirtschaftsimperium, sondern als Abgeordneter der bisherigen Regierungspartei DPS auch einer der wichtigsten Strippenzieher und angeblich eng mit Moskau verbunden.

Jahrelang pflegte Peewski eine enge Partnerschaft mit einem führenden Bankier: Zvetan Wassilew, Mehrheitseigentümer der viertgrößten bulgarischen Bank KTB. Vor einigen Monaten aber zerstritten sich die Partner. Mitte Juni behauptete Peewski, der Bankier wolle ihn ermorden. Wenige Tage später tauchten Gerüchte auf, die bislang die Guthaben vieler Staatsfirmen verwaltende und mit den regierenden Sozialisten verbundene KTB sei in Schwierigkeiten.

Gerüchte als potente Waffe

Solche Gerüchte sind in Bulgarien eine potente Waffe: Schließlich steckt vielen Bulgaren noch die Bankenkrise von 1996/97 in den Knochen, als 14 Banken pleite gingen und viele Menschen alle Ersparnisse verloren. Die Folge der offenbar gezielt gestreuten Gerüchte: Binnen weniger Tage ging der KTB vor dem Ansturm seiner besorgten Kunden das Geld aus. Mitte vergangener Woche übernahm die Zentralbank die Aufsicht über die Bank. Bankier Wassilew, der seinerseits per SMS Morddrohungen von Peewski erhalten haben will, ist seine Bank erst einmal los. Nur Tage später traf es die Bank FIB: Auch hier wurden zuvor per SMS, Email und im Internet Gerüchte gestreut, die Bank sei in Schwierigkeiten. Die Folge: Allein am Freitag vergangener Woche hoben Kunden umgerechnet 400 Millionen Euro ab.

Zwar ist Bulgariens Bankensystem - das zu zwei Dritteln von westlichen Banken kontrolliert wird - Analysten, Diplomaten und Fachleuten von IWF und EU zufolge weitgehend gesund. Einen Ansturm besorgter Kunden aber kann jedes Bankensystem in die Knie zwingen. Bulgariens Finanzminister, der eine Bankenpanik befürchtete, wandte sich deshalb hilfesuchend an die EU: Deren finanzielle Kraft soll die Gemüter nun wieder beruhigen.

Die Tatsache, dass zwei führende Banken binnen weniger Tage nur durch Gerüchte an den Rand des Ruins gebracht werden, stärkt indes Zweifel an Bulgariens Stabilität - unabhängig davon, ob es sich hier um einen Kleinkrieg bulgarischer Oligarchen handelt oder um einen Warnschuss Moskaus, was in Bulgarien passieren könnte, sollte Sofia die South Stream-Pipeline aufgeben.