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Buk-Hersteller zu MH17-Abschuss:Eine ganz eigene Version für 140 000 Euro

  • 140 000 Euro gibt der russische Buk-Hersteller Almas-Antei aus, um den Abschuss von Flug MH17 zu rekonstruieren.
  • Das Ergebnis: Es war eine Rakete, die von ukrainisch kontrolliertem Gebiet aus abgefeuert wurde; der Raketentyp wurde von der russischen Armee bereits 2011 ausgemustert.
  • Diese Darstellung widerspricht den niederländischen Ermittlungen und auch den russischen Behörden.

Noch bevor der Abschlussbericht der niederländischen Ermittler der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, traten in Moskau Experten des Buk-Raketen-Herstellers Almas-Antei an, ihn zu widerlegen. Das Unternehmen, das nach eigenen Angaben elftgrößter Rüstungskonzern der Welt ist, hat sich die Untersuchungen umgerechnet 140 000 Euro kosten lassen. Dafür wurde unter anderem der Abschuss der Boeing 777 mit dem Cockpit einer ausgemusterten Iljuschin Il-86 nachgestellt. Der Aufwand sei gerechtfertigt, um die eigene Reputation wiederherzustellen, damit die "ungerechten Sanktionen" aufgehoben werden, hieß es in der zweieinhalbstündigen Präsentation.

Malaysia Airlines MH17 Animation zeigt Raketen-Abschuss von Flug MH17 Video
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Abschlussbericht zu Malaysia Airlines

Animation zeigt Raketen-Abschuss von Flug MH17

Laut dem Abschlussbericht zum Absturz der Malaysia Airlines-Maschine wurde Flug MH17 durch eine Buk-Rakete abgeschossen. Eine Animation zeigt, was vermutlich passiert ist.

Die Experimente sowie komplexe Berechnungen sollen laut Almas-Antei belegen, dass Flug MH17 von der ukrainischen Armee abgeschossen wurde und nicht von den aus Russland unterstützten Separatisten (obwohl Moskau auch die militärische Unterstützung der Separatisten stets geleugnet hat). Die Argumentation stützt sich auf zwei zentrale Pfeiler: Die Experimente hätte gezeigt, dass die Beschädigungen an der Boeing darauf hindeuteten, dass sie nicht aus dem Ort Snischne abgefeuert wurde, der unter der Kontrolle der Separatisten lag, sondern aus Saroschtschinskoe, das zu diesem Zeitpunkt ukrainische Streitkräften kontrollierten. Die Orte liegen etwa 35 Kilometer voneinander entfernt und weniger als 50 Kilometer westlich der russischen Grenze.

"Letzte Rakete dieses Typs wurde in der Sowjetunion 1986 hergestellt"

Zweiter Punkt, der Russland entlasten soll, ist der Typ der Rakete. Die Experimente hätten ergeben, dass es sich um ein Modell gehandelt habe, das 2011 von den russischen Streitkräften ausgemustert wurde, sagte der Direktor von Almas-Antei, Jan Nowikow: "Wenn es eine Buk war, dann war es eindeutig eine 9M38. Die letzte Rakete dieses Typs wurde in der Sowjetunion 1986 hergestellt." Ausländische Experten seien zu den Untersuchungen nicht eingeladen worden, weil in den Bunkern auf dem Testgelände nicht genug Platz sei. Die Ergebnisse seien aber an die Ermittler in den Niederlanden weitergegeben worden.

Mit dem Bericht widerspricht Almas-Antei indes nicht nur den niederländischen Ermittlern, sondern auch der eigenen obersten Strafverfolgungsbehörde . Das Ermittlungskomitee der Russischen Föderation, eine Art FBI, verfolgt seit Juni die Version, ein ukrainischer Kampfjet habe die Boeing 777 abgeschossen.