Bürgerschaftswahl in Hamburg:FDP setzt auf charismatische Mutmacherin

Landesparteitag der FDP in Hamburg

Die Parteiaustritts-Welle in der FDP nennt Katja Suding einen "Klärungsprozess."

(Foto: Axel Heimken/dpa)

Der kriselnden FDP droht nun auch das Aus in der Hamburgischen Bürgerschaft. Doch die frisch gewählte neue Landesvorsitzende Katja Suding soll die Liberalen in der Hansestadt trotz Austrittswelle zu Siegern machen. Eine ähnliche Herausforderung hat sie schon einmal bewältigt.

Von Thomas Hahn, Hamburg

Die Lektüre der Samstagszeitung fand Katja Suding gruselig. "Mir stockte der Atem", sagte die Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidatin der Hamburger FDP auf dem Landesparteitag in Wandsbek. In der Zeitung las sie nämlich die Ergebnisse einer Umfrage, die das Hamburger Abendblatt veranlasst hatte. Demnach sei die absolute Mehrheit der SPD von Bürgermeister Olaf Scholz bei der Bürgerschaftswahl in drei Monaten in Gefahr, weil die Sozialdemokraten nach Verlusten gegenüber der Wahl 2011 (48,4 Prozent) auf einen Stimmenanteil von 45 Prozent kommen. Die CDU steigert sich auf 27 Prozent, die Linke auf sieben, die Grünen bleiben bei elf. Und die fünfte Kraft der Bürgerschaft? Die FDP? Liegt hinter der AfD (vier). Mit zwei Prozent. "Ich war ein kleines bisschen niedergeschlagen", sagte Katja Suding. "Aber nur kurz."

Eine lange Phase der Niedergeschlagenheit kann sich Katja Suding, 38, PR-Expertin und Mutter von zwei Kindern, auch nicht leisten. Am Samstag hat sie sich zur neuen Landesvorsitzenden wählen lassen und damit ihre Position als starke Frau der Partei untermauert. Sie soll die FDP bis zur Bürgerschaftswahl am 15. Februar aus dem Umfragetief holen und damit ein Zeichen setzen für die kriselnde Bundespartei.

Katja Suding hat eine ähnliche Herausforderung schon einmal bewältigt. Vor der Wahl 2011 ging es der FDP auch nicht gut. Als Spitzenkandidatin setzte Suding ihr ganzes Charisma ein und verhalf der Partei mit 6,7 Prozent zur Rückkehr ins Parlament. Aber jetzt ist die Situation schwieriger. Die Hamburger FDP wirkte in den vergangenen Monaten wie ein zerstrittener Haufen mit wirtschaftsliberalem Übergewicht. Prominente Austritte waren die Folge, die Partei Neue Liberale um die früheren Hamburger FDP-Größen Najib Karim und Sylvia Canel gründete sich als sozialere Alternative. Zuletzt ging auch Dieter Lohberger, der nach dem Austritt Canels kommissarischer Parteivorsitzender war.

Die fotogene Patin eines zu straffen Pro-Wirtschafts-Kurses?

Und noch immer ist der Frieden nicht perfekt, was man schon an der Wahl Sudings am Samstag ablesen konnte. 70,6 Prozent der Stimmen bekam sie - als einzige Kandidatin. Kritische Geister in der Partei sehen in ihr die fotogene Patin eines zu straffen Pro-Wirtschafts-Kurses. "Für eine lebende Partei ist sie nicht die richtige Frau", sagt Ernst Mohnike, Vizebezirksvorsitzender aus Bergedorf.

Katja Suding sagt: "Ich bin die Letzte, die sich wünscht, dass wir aufhören zu diskutieren." Sie bestreitet auch Vorwürfe, mit ihrem Führungsstil habe sie die Partei gespalten. Zu der Austrittswelle im Spätsommer sagt sie: "Das war ein Klärungsprozess, der auch positive Seiten hat." Zuletzt verzeichnete die FDP wieder mehr Eintritte. Und als stellvertretender Parteivorsitzender wurde in Magnus Graf Lambsdorff, einem Neffen des ehemaligen FDP-Bundesministers Otto Graf Lambsdorff, ein Mann an die Spitze gewählt, dessen Name an bessere Zeiten erinnert. Solche Mutmacher sammelt Katja Suding gerade. Ruhe bewahren, einen "fulminanten Wahlkampf" hinlegen - darum geht es ihr jetzt.

Katja Suding will einen ganzheitlichen Liberalismus vertreten, der mehr ist als nur wirtschaftsfreundlich. Das hat man ihrer Grundsatzrede auf dem Parteitag angemerkt. Aber ob man ihr das abnimmt? Sie gilt als Kopffrau, die mit ihrer emotionalen Vorgängerin Canel nicht auf einen Nenner kam. Katja Suding selbst ist von sich überzeugt, und sie hat auch keine Angst vor den Hoffnungen, welche die gesamte FDP in sie setzt. "Ich bin jemand, der mit Druck sehr gut umgehen kann", sagt sie, "auf mir lastet der auch nicht. Ich laufe dann erst zu Hochform auf." Diese Hochform wird sie allerdings auch brauchen.

© SZ vom 10.11.2014/mike
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