Bürgerkrieg in Syrien:UN-Beobachter verlassen Aleppo

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Das Assad-Regime zieht in Aleppo seine Truppen für eine möglicherweise bevorstehende Entscheidungsschlacht zusammen. Derweil ist die Hälfte der UN-Beobachter aus der umkämpften Stadt Richtung Damaskus abgereist - angeblich wegen eines Kommunikationsproblems.

Tomas Avenarius, Damaskus

In Syrien fließt nach dem Rücktritt des UN-Sondergesandten Kofi Annan weiter Blut. In der Handelsmetropole Aleppo wurde weiter um bestimmte Viertel gekämpft. Das Regime von Präsident Baschar al-Assad zog aber offenbar noch mehr Truppen zusammen, um einige tausend Rebellen in einer bevorstehenden Entscheidungsschlacht zu vertreiben.

Die Aufständischen halten sich seit gut zwei Wochen in mehreren wichtigen Stadtteilen verschanzt und greifen in anderen Teilen der Stadt immer wieder Regierungs- und Militäreinrichtungen an. Die UN-Beobachtermission zog am Freitag Teile ihres Teams aus der umkämpften Stadt ab. Auch in der Hauptstadt Damaskus war die Lage extrem angespannt. Es waren Detonationen zu hören, in einigen Stadtteilen wurde nach Berichten von Rebellen gekämpft.

Obwohl die UN-Beobachter aus Aleppo mit einem Teil ihrer Büroausrüstung in Damaskus anreisten, begründete die UN den Abzug der Beobachter ausdrücklich nicht mit der steigenden Intensität der Kämpfe und sprach von einer vorübergehenden Maßnahme. Eine Sprecherin sagte der Süddeutschen Zeitung, die UN seien "weiter präsent in Aleppo". Grund für den Abzug sei der "Zusammenbruch des Mobilfunknetzes in Aleppo. Sobald unsere Kommunikationsmittel wieder funktionieren, werden wir die Beobachter zurücksenden." Aus Homs und Deir as-Saur habe man keine Beobachter abgezogen. Aus von den UN unabhängigen Quellen in Aleppo hieß es, 14 der 28 UN-Vertreter seien abgereist.

UN rechnet mit Verschärfung der Kämpfe

Dennoch deutet alles darauf hin, dass die UN mit einer raschen Verschärfung der Kämpfe in Aleppo rechnet. UN-Untergeneralsekretär Hervé Ladsous äußerte die Befürchtung, dass sich Regierungstruppen und Rebellen in der Millionenstadt für den "Hauptkampf" erst noch rüsteten. Ein Rebellenkommandeur dort, Abu Omar al-Halebi, sagte der Deutschen Presse-Agentur, am Freitag seien weitere Transporter voller Soldaten und mehr als 100 Panzern rund um Aleppo in Stellung gebracht worden. Zugleich bombardierte Assads Luftwaffe die Rebellenstellungen ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung.

Nach Berichten der oppositionellen Syrischen Menschenrechtsbeobachter ließ Assad Angriffe auf das Wohnviertel Salahedin fliegen, wo um eine strategisch wichtige Straße gekämpft wird. Kämpfe wurden auch aus den Städten Hama und Daraa gemeldet.

In der Hauptstadt Damaskus war die Lage am Freitag ebenfalls extrem angespannt. Schon am Vormittag waren Detonationen zu hören. Laut den Rebellen wurden in verschiedenen Stadtteilen gekämpft. Direkt vor dem Freitagsgebet waren sehr viele Soldaten auf den Straßen und Plätzen, Zivilisten aber kaum noch. In einer großen Moschee im aufständischen Sunniten-Stadtteil Midan, die mehrere tausend Gläubige fasst, wagten sich nur etwa 200 Männer zum Gebet. Beim Beschuss des von Palästinensern bewohnten Flüchtlingslagers Jarmuk in Damaskus sollen am Donnerstag etwa 20 Menschen gestorben sein. Unklar war, wer die Mörsergranaten auf das einem Stadtteil ähnliche Lager gefeuert hat.

Aktivisten der Aufständischen berichteten unterdessen von einem neuen Massaker der Regierungstruppen mit 62 Opfern in der Stadt Hama. Es soll sich im Stadtteil Al-Arbain abgespielt haben; unter den Toten seien Frauen und Kinder, teilten die Lokalen Koordinationskomitees mit, ein Verband der Aktivisten. Das Militär habe auf den Dächern Scharfschützen postiert. Die Angaben ließen sich nicht überprüfen.

Unterdessen scheint Assads Rückhalt in den Sicherheitskräften weiter zu bröckeln: Zwei hohe Offiziere sagten sich vom Regime los. Einer der beiden, General Ahmed Tlass, ist ein Verwandter von General Manaf Tlass, des bislang einflussreichsten Überläufers. Ahmed Tlass soll laut dem Nachrichtensender Al-Arabija exzellente Kenntnisse über die Waffenbestände des Regimes und über das Innenministerium haben.

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