Bürgerkrieg in Syrien:Syrische Soldaten im Irak getötet

Lesezeit: 3 min

Beim Angriff auf einen syrischen Konvoi im Irak sind mindestens 40 Soldaten getötet worden. Während in Syrien die Kämpfe weitergehen, diskutieren in Rom westliche und arabische Politiker über Waffenlieferungen an die Rebellen.

In der irakischen Provinz Anbar sind nach Informationen der Nachrichtenagentur Sumeria News 33 syrische und neun irakische Soldaten getötet worden. Die Soldaten seien am Montag nahe der syrischen Grenze in einen Hinterhalt geraten.

Die Nachrichtenagentur AFP meldet dagegen unter Berufung auf irakische Offiziere, dass bei dem Überfall mindestens 42 Syrer und sieben Iraker getötet worden seien. Der Konvoi sei von zwei Seiten mit Mörsergaranten, automatischen Waffen und Minen angegriffen worden. Acht weitere Syrer und vier weitere Iraker seien verletzt worden. Drei Fahrzeuge des Konvois wurden bei dem Angriff im Westen des Landes demnach zerstört.

Bei den Syrern handelt es sich den Angaben zufolge um Soldaten, die am vergangenen Wochenende in den Irak geflüchtet waren, als syrische Rebellen den Grenzübergang Jarubija eingenommen hatten.

Laut Sumeria News wollten die irakischen Soldaten die Syrer über den Grenzübergang Al-Kaim zurück in ihre Heimat schicken, als sie angegriffen wurden. In der Anbar-Provinz hieß es, die Angreifer seien Iraker gewesen. Die schiitischen Regierungsparteien in Bagdad unterstützen das syrische Regime. Viele irakische Sunniten sympathisieren hingegen mit den Aufständischen.

Heftige Kämpfe um syrischen Militärflughafen Minigh

In Syrien haben Rebellen am Montag einen Teil der Stadt Al-Rakka eingenommen. Wie Regimegegner berichteten, war an den Kämpfen auch die islamistische Al-Nusra-Front beteiligt. Die Gegner von Präsident Baschar al-Assad veröffentlichten Bilder, die zeigen, wie in der Stadt im Norden Syriens eine Statue seines Vaters, des früheren Präsidenten Hafis al-Assad, niedergerissen wird.

In der syrischen Provinz Aleppo nahmen Rebellen den Militärflughafen Minigh aus mehreren Himmelsrichtungen in die Zange. Die Luftwaffe bombardierte die Angreifer. Der Flughafen liegt in der Nähe der Grenze zur Türkei. Die umliegenden Gebiete sind größtenteils in der Hand der Rebellen.

Bis zum späten Montagnachmittag zählte die Opposition landesweit 70 Tote. Die meisten Opfer gab es in Idlib, Homs, Al-Rakka, Aleppo und Damaskus. Am Vortag waren nach Informationen der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter landesweit mehr als 230 Menschen getötet worden, darunter 109 Rebellen und 115 Regierungssoldaten.

Wahlen in der Provinz Aleppo

Für die von den Rebellen kontrollierten Gebiete in der Provinz Aleppo haben Angehörige von Revolutionsgruppen und Oppositionsparteien erstmals lokale Vertretungen gewählt. Wie die Wahlleitung am Montag bekanntgab, dominieren unter den 13 Mitgliedern des Lokalen Rates der Stadt Aleppo die moderaten Islamisten. In den ländlichen Gebieten hätten radikale Islamisten die Nase vorn. In der türkischen Stadt Gaziantep hatten rund 280 Syrer ihre Stimme abgegeben.

Alle Kandidaten waren Männer. Kein Angehöriger einer säkularen Gruppierung wurde gewählt. Die Oppositionelle Suheir al-Atassi sagte, es sei falsch, eine Wahl ohne Frauen abzuhalten, "schließlich waren die Frauen von Anfang an Teil dieser Revolution".

Der Vorsitzende der Nationalen Syrischen Koalition, Moas al-Chatib, soll laut einem Bericht des Nachrichtenportals "All4Syria" binnen der nächsten zehn Tage zu einem Gespräch mit US-Präsident Barack Obama nach Washington fliegen. Ihn wird den Angaben zufolge General Salim Idriss begleiten, der Generalstabschef der von Deserteuren gegründeten Freien Syrischen Armee (FSA).

Kein Gießkannenprinzip bei Waffenlieferungen

Dem Wunsch der Opposition nach Waffenlieferungen an die Rebellen gaben die westlichen und arabischen Staaten bei einer Konferenz der Syrien-Kontaktgruppe in Rom nicht nach. Allein die USA wollen die syrische Opposition mit weiteren 60 Millionen US-Dollar (knapp 46 Millionen Euro) unterstützen, wie Außenminister John Kerry in der italienischen Hauptstadt ankündigte. Die US-Hilfe soll die oppositionelle Nationale Syrische Koalition erhalten, um die Situation der Menschen in den von den Rebellen kontrollierten Gebieten zu verbessern.

Die USA warnen allerdings davor, Waffen für die syrischen Rebellen nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen. "Waffen sollten die gemäßigte, rechtmäßige Opposition erreichen" und nicht extremistische Gruppen, betonte US-Außenminister John Kerry während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem saudischen Amtskollegen, Prinz Saud al-Faisal, in Riad.

Syrische Opposition fordert Unterstützung des Westens

Der oppositionelle syrische Nationalrat hat von der internationalen Gemeinschaft erneut gefordert, die Aufständischen entschiedener gegen das Assad-Regime zu unterstützen. "Ich kann natürlich die Ängste verstehen, die die Weltgemeinschaft äußert", sagte Ratsvertreter Sadiqu al-Mousllie am Montag im Deutschlandradio Kultur zu Befürchtungen, dass Waffen in die Hände von Islamisten geraten könnten. Diese machten aber nur einen verschwindend geringen Teil der Opposition aus.

Allein in den letzten zwei Wochen seien 400 Kinder im syrischen Bürgerkrieg getötet worden. Nach fast 24 Monaten Revolution und 70.000 Toten sei es an der Zeit, dass die Weltgemeinschaft ihrer Verantwortung nachkomme und die Syrer beschütze, bekräftigte Al-Mousllie. Dazu gehöre auch die Lieferung von Waffen an die Aufständischen.

"Im Großen und Ganzen haben sich die letzten paar Tage etwas positiver entwickelt als die letzten 300 Tage", so der Ratsvertreter. Die internationale Akzeptanz, den Aufständischen zu helfen, sei insgesamt gestiegen. Zuletzt hatte sich der Unions-Außenpolitiker Philipp Mißfelder dafür ausgesprochen, die syrische Opposition mit Waffen auszurüsten.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema