Bürgerkrieg in Syrien:"Das Auswärtige Amt hat total versagt"

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Der Fall ist mehr als undurchsichtig. Tatsache ist: Seit 2006 sitzt in Syrien ein deutscher Staatsbürger in Haft, angeblich mit 80 Mann in einer 25-Quadratmeter-Zelle. Das Land versinkt im Strudel eines bewaffneten Aufstands, der das Überleben des Regimes von Präsident Assad bedroht. Die Angaben Yosefs, seine Hilferufe aus der Gefängniszelle in Aleppo, sie lassen sich auf ihren Wahrheitsgehalt zwar nicht überprüfen. Aber seine Familie in Essen, die den Kontakt zu ihm hergestellt hat, bestätigt, dass er in Aleppo im Gefängnis sitzt. Seine Nichte Amina Siedo hält Kontakt und sagt: "Es ist schlimm. Mein Onkel ist krank, hat Prostatakrebs, Herzprobleme."

Auch das Auswärtige Amt geht offenbar davon aus, dass Yosef weiter in Haft und wohl auch gefährdet ist. Berlin appelliert an den Assad-Staat, die UN-Standards der Gefangenenbetreuung einzuhalten - die Menschenrechts-Leitlinien der Vereinten Nationen. Dass die in Syrien derzeit irgendwen interessieren, darf bezweifelt werden.

Wahrscheinlicher ist, dass politische Gefangene besonders gefährdet sind, möglicherweise beseitigt werden, während das Regime um sich schlägt. Der deutsche Häftling Yosef geht mit den deutschen Diplomaten hart ins Gericht: "Das Auswärtige Amt hat total versagt", schreibt er auf Skype.

Im Tagebuch erhebt er weitere Vorwürfe: Die Botschaft habe ihm keinen Anwalt mehr zahlen wollen. Mit dessen Hilfe hätte er sein Urteil nach einer Änderung der Rechtslage 2011 in Frage stellen können. Eine ausführliche Stellungnahme zum Fall Yosef ist vom Auswärtigen Amt nicht zu bekommen - "unter anderem wegen des Schutzes der Persönlichkeitsrechte", wie eine Sprecherin sagt, die an Yosefs Anwalt in Syrien verweist.

Offiziell können die Berliner Diplomaten wenig tun. Hinter den Kulissen vielleicht aber doch: Der Bundesnachrichtendienst ist bekannt für seine guten Kontakte zur libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah. Und die Hisbollah ist der beste Freund des Assad-Regimes. Yosef schreibt aus seiner Zelle auf Skype: "Man muss die schlafende deutsche Politik wachrütteln, sich meiner Sache endlich anzunehmen."

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