Bürgerkrieg in Syrien:Yosefs unglaubliche Lebensgeschichte

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Yosef hat Tagebuch geschrieben, es wurde nach Angaben seiner Familie aus dem Gefängnis geschmuggelt. Es schildert eine unglaubliche Lebensgeschichte: Angeblich als irakischer Kurde mit einem falschen syrischen Pass in den Achtzigerjahren in die Bundesrepublik eingereist, Asyl beantragt. In Regensburg Geschichte studiert, den Magister mit Note 2,2 gemacht. 1993 bekommt er einen deutschen Pass. Yosef, der fast fehlerfrei Deutsch spricht und schreibt, lebt fast 20 Jahre mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Bayern. Unbescholten, von den Nachbarn geschätzt, laut den Behörden politisch unbedenklich, wie der Spiegel 2006 über ihn schrieb.

Als Historiker findet der Kurde keine Arbeit. Laut seiner Nichte Amina Siedo, die in Essen lebt, verdient er sein Geld damals als Übersetzer: "Beim Gericht, bei der Polizei, auch bei anderen Behörden." 2005 erkundigt Yosef sich bei syrischen Regierungsstellen, ob er einreisen dürfe. Er besucht das Land, problemlos. Es ist eine Zeit, in der die syrisch-deutschen Beziehungen gut sind: Der junge Präsident Baschar al-Assad ist erst kurz im Amt, die internationale Politik sieht den Sohn von Diktator Hafis al-Assad als Reformer.

Seit dem 11. September 2001 arbeiten die deutschen und die syrischen Geheimdienste laut dem Spiegel gelegentlich sogar zusammen. Assad soll dem damaligen deutschen Außenminister Joschka Fischer zugesagt haben, "vorbehaltslos zu kooperieren".

Im März 2006 reist der Deutsch-Syrer erneut nach Syrien. Er wird in Damaskus von der Staatssicherheit vorgeladen, der Pass wird ihm abgenommen. Yosef schreibt, er habe sich bedroht gefühlt und versucht, mit Hilfe eines Menschenschmugglers zu fliehen ins Nachbarland Libanon. In Beirut angekommen, gerät er mit dem Schmuggler in Streit um die Bezahlung, wird in der libanesischen Hauptstadt auf offener Straße von Agenten entführt, zurück ins keine zwei Autostunden entfernte Damaskus gebracht.

All dies klingt abenteuerlich, selbst für den Nahen Osten. Aber der Arm des syrischen Geheimdienstes ist lang. Aus Libanon wurden immer wieder Syrer entführt. Zurück in Damaskus hätten Geheimdienstoffiziere 100.000 Euro Lösegeld von ihm für seine Freilassung zu erpressen versucht, behauptet Yosef. Er bestreitet jede politische Aktivität. Er soll aber laut Spiegel als Student zumindest kurz Kontakt zu den in Syrien verbotenen, islamistischen Muslimbrüdern gehabt haben.

Bis zur Besinnungslosigkeit geprügelt

Im Gefängnis sei er mit Schlägen auf die Fußsohlen und Stromstößen gefoltert worden, so steht es in einem Tagebucheintrag. Die Wärter hätten ihn bis zur Besinnungslosigkeit geprügelt, schreibt Yosef. Es sei immer um das Lösegeld gegangen.

Nach der Folterphase sei Anklage erhoben worden: Er sei als Mitglied der verbotenen Muslimbruderschaft bezeichnet worden - darauf steht die Todesstrafe. Das Verfahren vor dem Höchsten Staatssicherheitsgericht habe sich fünf Jahre hingezogen. Das Todesurteil sei später in lebenslange Haft mit Zwangsarbeit umgewandelt worden. Schon davor hatte sich die Deutsche Botschaft in Damaskus bei den syrischen Behörden nach dem deutschen Staatsbürger erkundigt. Es kommt zu einem Haftbesuch einer deutschen Konsulin im Damaszener Gefängnis Saidnaja und laut Yosef zu unregelmäßiger konsularischer Betreuung, auch beim Prozess.

Doch die Botschaft hat wenig in der Hand: Für die syrischen Behörden bleibt Yosef trotz seines deutschen Passes Syrer: Damaskus erkennt Doppelstaatsbürgerschaften nicht an. Aber bei seiner Verurteilung soll immerhin ein Vertreter der deutschen Botschaft anwesend gewesen sein, Zeichen einer gewissen Kompromissbereitschaft des Regimes. Vor allem behauptet Yosef, er sei gar kein Syrer: "Ich bin ursprünglich irakischer Kurde. Das habe ich auch dem deutschen Konsul gesagt, der meiner Verurteilung beigewohnt hat."

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