Bürgerkrieg in Syrien:Eine Million Syrer auf der Flucht

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Der syrische Bürgerkrieg ist in die beiden größten Städte getragen worden: In Damaskus und Aleppo fechten Regierung und Rebellen blutige Kämpfe. Zivilisten fliehen in Massen aus dem Land.

Die blutigen Kämpfe in Damakus und Aleppo fordern ihren Tribut. In Syrien haben Aufständische und Regierungstruppen am Samstag weiter um die Kontrolle der Großstädte Damaskus und Aleppo gerungen. In der Hauptstadt Damaskus seien in der Nacht zwei Viertel von den Truppen von Präsident Baschar al-Assad beschossen worden, berichtete die Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London. In Aleppo, der zweitgrößten Stadt Syriens, hielten die Gefechte den zweiten Tag in Folge an.

Bürgerkrieg in Syrien: Opfer sind die Zivilisten: Kämpfe auch in einem palästinensischen Flüchtlingslager bei Damaskus

Opfer sind die Zivilisten: Kämpfe auch in einem palästinensischen Flüchtlingslager bei Damaskus

(Foto: AP)

Landesweit wurden nach Angaben der Beobachterstelle bei Kämpfen am Freitag 233 Menschen getötet, davon 153 Zivilisten, 43 Soldaten und 37 Rebellen. Seit Beginn der Gewalt in Syrien sollen insgesamt mehr als 17.000 Menschen getötet worden sein.

Tausende fliehen aus Angst um ihr Leben in Nachbarstaaten. Das UN-Flüchtlingshilfswerk schätzt, dass seit Beginn der Aufstände vor 16 Monaten rund eine Million Syrer ihre Heimatstädte verlassen haben. Binnen zwei Tagen sollen nach Angaben des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge zwischen 8500 und 30.000 Menschen aus ihrem Land geflohen sein. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sprach von "mehr als 18.000" Flüchtlingen.

"Wir sind inmitten der Bombardements geflohen", sagte ein Händler aus dem Viertel Midan in Damaskus, der die Grenze zum Libanon in Masnaa passierte. "Es herrscht ein richtiger Krieg." Die Armee ist inzwischen in die Stadtteile Dschobar im Osten und Kafar Susse im Südwesten eingedrungen. Anwohner berichteten von Kämpfen in weiteren Stadtteilen. Auch in ruhigeren Vierteln blieb die Lage am Samstagmorgen höchst angespannt.

"Der Aufstand hat Aleppo erreicht"

Die syrischen Streitkräfte hatten am Freitag in Damaskus eine Gegenoffensive gegen die Rebellen gestartet und nach heftigen Kämpfen die Kontrolle über das Viertel Midan übernommen. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen kontrolliert die Armee inzwischen auch die Stadtteile Tadamun, Kabun und Barse.

Auch aus dem Umland von Damaskus wurden heftige Gefechte gemeldet. Bei dem Angriff auf die Vorstadt Schaba soll das Militär von regimetreuen Milizen unterstützt worden sein. Die Grenze zur Türkei war dagegen nach Angaben der türkischen Zeitung Hürriyet fest in Rebellenhand.

"Der Aufstand hat Aleppo erreicht", teilte ein Aktivist aus der Stadt via Skype mit. In der Nacht seien mehrere Stunden lang gewaltige Explosionen und Schüsse zu hören gewesen. Zahlreiche Rebellen der Freien Syrischen Armee seien nach Aleppo gekommen und kämpften nun gegen Regierungssoldaten. Die Gefechte seien hauptsächlich auf den Stadtteil Salaheddine im Zentrum beschränkt.

Die oppositionellen Örtlichen Koordinationskomitees (LCC) der Protestbewegung erklärten, Einwohner des Viertels Salaheddin in Aleppo seien vor den Kämpfen auf der Flucht. In Aleppo hatte sich der Widerstand gegen Assad erst in den vergangenen Monaten gebildet, nach Beginn der Revolte im März 2011 war es dort lange Zeit ruhig geblieben.

Auch in anderen Landesteilen hielt die Gewalt an. Die Beobachtungsstelle berichtete von Kämpfen in der Aufständischen-Hochburg Homs und in Deir Essor im Osten Syriens.

Indessen machte die Türkei nach Plünderungen den Grenzübergang Çilvegözu an der Grenze zu Syrien dicht. Angehörige der Freien Syrischen Armee hätten 30 aus der Türkei kommende Lastwagen ausgeraubt und beschädigt, sagte der Gouverneur von Hatay, Celalettin Lekesiz. Neun Lastwagen seien in Brand gesteckt worden. Wann die Grenze wieder geöffnet wird, sei noch unklar.

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