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Bürgerkrieg in Syrien:Assads neue Zuversicht

A larger banner of Syrian President Bashar al-Assad hangs from central bank during a rally of his supporters at al-Sabaa Bahrat square in Damascus

Ein Bild aus besseren Tagen - doch mittlerweile ist der demonstrative Optimismus von Syriens Machthaber Assad wieder glaubwürdiger.

(Foto: REUTERS)

Syriens Machthaber Assad verbreitet in einem TV-Interview Optimismus. Dass seine Äußerungen diesmal mehr als nur Propaganda sind, dafür sprechen nicht nur Waffenlieferungen aus Russland und die Unterstützung der Hisbollah. Auch die Zerrissenheit der Opposition stärkt die Position des Diktators.

Wenn Baschar al-Assad davon spricht, dass sich das Blatt in Syrien gewendet habe, dann hört sich das nach Propaganda an. Seit die Rebellen gegen das Regime des Despoten aufbegehren, ließ Assad zwar nie laut Zweifel aufkommen, dass seine Truppen den Sieg in diesem verheerenden Bürgerkrieg davontragen würden. Doch dieses Mal steckt wohl mehr Wahres in den Worten des Diktators, als bei seinen vorangegangenen Auftritten.

In einem Interview mit dem Hisbollah-Sender al-Manar, aus dem die libanesische Zeitung al-Achbar vorab zitierte, sagt Assad: Das Kräfteverhältnis habe sich "komplett zugunsten der Armee verschoben". Ein Argument, das seine These stützen könnte, liefert er gleich mit: Eine erste Lieferung Flugabwehrraketen aus Russland sei angekommen. Eine zweite soll bald folgen.

Ob das tatsächlich bereits geschehen ist, bleibt zumindest vorerst Assads Geheimnis. Doch Berichte über den geplanten Waffendeal gab es bereits seit längerem. Man werde Syrien trotz westlicher Proteste mit den modernen Raketen vom Typ S-300 versorgen, verkündete die Regierung in Moskau kürzlich.

Ein weiterer Grund für Assads Zuversicht ist die Unterstützung der libanesischen Hisbollah, auf die er immer mehr zählen kann. Eine "Schicksalsgemeinschaft" nennt Assad die Allianz im Interview. Die schiitischen Kämpfer hatten unlängst angekündigt, den Bürgerkrieg im Nachbarland zu ihrem "eigenen Krieg" zu machen und mit dem von Alawiten dominierten Regime in Damaskus gegen die mehrheitlich sunnitischen Rebellen vorzugehen.

Hilferufe aus Al-Kusair

Die Verstärkung aus dem Libanon macht sich seit einiger Zeit auch militärisch bemerkbar. Am Mittwoch gab es alarmierende Berichte aus der noch von Rebellen gehaltenen Stadt Al-Kusair im Grenzgebiet zum Libanon: Syrische Truppen und Hisbollah-Kämpfer seien auf dem Vormarsch. Assads Armee verkündete schließlich, den Flughafen von Dabaa in der Nähe nach einer mehrstündigen Offensive eingenommen zu haben - und damit sämtliche Zugänge zu der strategisch wichtigen Stadt unter Kontrolle zu haben.

Die Rebellen zeichnen ein dramatisches Bild von der Lage in der Stadt und sind auf Hilfe von außen angewiesen. Man sei umzingelt, könne Hunderte Verletzte weder in Sicherheit bringen noch medizinisch versorgen, sagte ein Oppositionsvertreter. Ohne militärische Unterstützung werde es bald heißen: "Es gab einst eine Stadt, die hieß Al-Kusair." Auch die Exilopposition forderte internationale Hilfe für die Verwundeten. Immerhin in dieser Forderung beweist sie Einigkeit.

Denn die demonstrative Zuversicht des Machthabers findet auch in der Zerrissenheit der Syrischen Nationalen Koalition Nahrung. Die Dachorganisation der Oppositionellen im Exil ist zerstritten. Gemäßigte, säkulare Kräfte auf der einen, konservativ-religiöse auf der anderen kämpfen um Einfluss in dem 60-köpfigen Gremium, das bislang die islamistischen Muslim-Brüder dominieren.

Dauer-Dissens in Istanbul

Drei Tage hatte sich die Koalition ursprünglich in Istanbul treffen wollen, mittlerweile ist eine Woche daraus geworden. Zuletzt kam sogar der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu persönlich bei der Konferenz in Istanbul vorbei, um zu vermitteln. Bislang ohne Ergebnis.

Während Assad, getragen vom Oberwasser, das er derzeit hat, ohne Vorbedingungen eine Delegation zur geplanten Friedenskonferenz in Genf entsenden will, ist sich die Opposition noch nicht einmal darüber einig, wen sie - wenn überhaupt - mit welchen Zielen und Forderungen in die Schweiz schicken will. Angesichts der Entwicklungen in Al-Kusair kündigte ein Sprecher nun an, dass man auf eine Teilnahme verzichten wolle.

Letztlich spiegeln sich im Dauer-Dissens auch die widerstreitenden Hoffnungen und Befürchtungen der Unterstützer der Opposition im Westen und im arabischen Raum. Denn wenn die schiitische Hisbollah und dazu noch schiitische Kämpfer aus Iran gegen Sunniten in Syrien in die Schlacht ziehen, könnten die Spannungen auf die gesamte Region übergreifen und weiter eskalieren. Und wenn die Opposition sich im tagelangen Dauerstreit ergeht, strahlt dies auch auf diejenigen aus, die hinter ihr stehen.

Mit Material von AFP und Reuters