bedeckt München
vgwortpixel

Bürgerkrieg in Syrien:Assad zieht in den finalen Kampf

Das Regime in Syrien wirkt nach den Angriffen auf den engsten Führungszirkel verwundbarer denn je - und übt Vergeltung in Damaskus. Die Rebellen rufen die Entscheidungsschlacht aus. Wie lange diese dauern wird, ist fraglich. In den USA wächst die Sorge vor Assads Chemiewaffen.

Noch mehr Gewalt, noch mehr Tote. 200 Menschen sollen allein am Mittwoch in Syrien gestorben sein. Aktivisten zufolge schießt die Armee auch an diesem Donnerstag in Damaskus mit Militärhubschraubern auf Rebellen. Es ist eine Racheaktion für den Tod dreier Vertreter des Regimes, die am Mittwoch bei einem Anschlag ums Leben kamen.

Damaskus

Kämpfe im Zentrum der Macht

Der Bürgerkrieg erreicht immer neue, traurige Superlative. Und für Beobachter wird es immer schwerer, die Lage einzuschätzen: Wie mächtig ist Präsident Baschar al-Assad noch? Wie groß sind die Erfolge der Opposition? Ist der Bürgerkrieg womöglich bald zu Ende?

Die Rebellen geben sich zuversichtlich: "Dies ist die finale Phase, das Regime wird bald fallen", wird Abdelbaset Seida, der Chef des syrischen Nationalrats zitiert. Er bezieht sich auf das Bombenattentat in der Nationalen Sicherheitsbehörde in Damaskus, bei dem mehrere Vertraute Assads ums Leben kamen. Der jordanische König Abdullah II. sagte dem US-Fernsehsender CNN, der Anschlag sei ein "enormer Schlag" gegen das Assad-Regime gewesen, der jedoch auch dessen "Belastbarkeit" gezeigt habe.

Parallelen zu Gaddafi

Gleich zwei Rebellengruppen bekannten sich zu der Tat: die Freie Syrische Armee und eine islamistische Gruppierung namens "Brigade des Islam". Über den Hergang gibt es verschiedene Angaben. War es der Selbstmordanschlag eines Leibwächters? Oder war es eine zuvor platzierte Bombe? Als gesichert gilt, dass der Schwager des Präsidenten, Assef Schaukat, Verteidigungsminister Daud Radschha (Daoud Rajiha) sowie dessen Amtsvorgänger Hassan Turkmani getötet wurden. Womöglich kam auch Innenminister Mohammed Schaar ums Leben - sein Schicksal ist unklar. Es sind Assads wichtigste Mitarbeiter aus dem syrischen Sicherheitsapparat.

Ein Angriff auf den engsten Zirkel eines Regimes deutet auf dessen Verwundbarkeit hin. Siehe Libyen, wo Ende April 2011 ein Sohn und drei Enkel von Muammar al-Gaddafi bei einem Luftangriff ums Leben kamen. Bis zum Tod des Despoten und zum Ende des Krieges vergingen dann allerdings noch sechs Monate. Obwohl die libyschen Rebellen mit Luftunterstützung der Nato kämpften.

US-Regierung befürchtet Einsatz von Chemiewaffen

In Syrien ist derartige Hilfe weiterhin nicht in Sicht. Wie lang die "finale Phase" anhält, ist deshalb völlig offen. Einigkeit herrscht im Westen lediglich darüber, dass eine friedliche Lösung so gut wie unmöglich geworden ist (hier der SZ-Kommentar zum Thema). Die "Schlacht um Syrien" sei endgültig "zu einem nackten und brutalen Machtkampf geworden", schreibt auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Amerikanische Medien wie die Washington Post befürchten ein end game, das "weitaus blutiger und destabilisierender" verlaufen werde als jenes in Libyen. Die US-Regierung befürchte, Assad werde in höchster Not zu Chemiewaffen greifen. Sie beschäftige sich aber auch schon mit der Frage, wie das giftige Arsenal des Despoten nach dessen Fall vor dem Zugriff von Terroristen geschützt werden könne. (Einen Überblick über das chemische Waffenlager Syriens und sein Entstehen gab es Ende Juni bei Welt Online.)

Damaskus

Kämpfe im Zentrum der Macht