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Bürgerkrieg in Syrien:Assad-Regime bereitet Militäreinsatz in Flüchtlingssiedlung vor

Blick auf einen völlig zerstörten Straßenzug in der Flüchtlingssiedlung Jarmuk - das Foto ist wenige Tage alt.

(Foto: AFP)
  • Die syrische Regierung will eine militärische Lösung für die palästinensische Flüchtlingssiedlung Jarmuk in Damaskus.
  • Dort kämpfen oppositionelle Truppen gegen die IS-Terrormiliz. Sie kontrolliert 90 Prozent des Gebietes.
  • Die Lage der 18 000 verbliebenen Menschen ist katastrophal.

UN warnen vor Katastrophe

In Syrien zeichnet sich ein Militäreinsatz der Regierung in der umkämpften Flüchtlingssiedlung Jarmuk im Süden der Hauptstadt Damaskus ab. In dem Stadtteil, der aus einem Flüchtlingscamp für aus Israel vertriebene Palästinenser entstanden ist, halten sich derzeit Agenturberichten zufolge etwa 18 000 Menschen auf.

Seit dem Angriff der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in der vergangenen Woche hat sich die Situation der Bewohner in dem etwa zwei Quadratkilometer großen Gebiet dramatisch verschlechtert. Die sunnitischen Kämpfer haben etwa 90 Prozent des Viertels unter ihrer Kontrolle. Es ist ihr tiefster Vorstoß in das Machtzentrum des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad.

Die Vereinten Nationen warnten vor einer humanitären Katastrophe. Die unmenschlichen Bedingungen in Jarmuk seien unvorstellbar, sagte ein Sprecher des Flüchtlingshilfswerks UNRWA. "Uns liegen tragische Bilder unter anderem von Kindern vor, die Wasser aus Schlaglöchern schöpfen."

Syrien will eingreifen

Jetzt will die syrische Führung eigenen Angaben zufolge militärisch eingreifen. Das Ziel sei, Bewaffnete und "Terroristen" aus dem Camp zu "vertreiben", sagte der syrische Minister für nationale Versöhnung, Ali Haidar. Er traf mit einem Vertreter der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) zusammen und deutete an, dass syrische Regierungstruppen an dem Einsatz beteiligt sein könnten. Angaben zu einem möglichen Zeitpunkt machte er nicht.

PLO-Vertreter Ahmed Madschdalani sagte, die Palästinenser würden alle Entscheidungen der syrischen Führung unterstützen. Es werde immer schwieriger, über eine "politische Lösung" für Jarmuk zu verhandeln.

Es ist jedoch unklar, ob alle Palästinensergruppen in Jarmuk einen Militäreinsatz unterstützen. Die meisten lehnen das Assad-Regime ab. Am Mittwochabend wollten verschiedene Palästinensergruppen in Syrien darüber beraten, darunter auch die radikalislamische Hamas.

Viele Konfliktparteien

In Jarmuk lebten vor dem syrischen Bürgerkrieg unterschiedlichen Angaben zufolge bis zu mehrere Hunderttausend Palästinenser. Das Regime umstellte die Siedlung und schnitt es von der Versorgung ab, nachdem Ende 2012 Rebellen der mittlerweile nahezu bedeutungslosen Freien Syrischen Armee (FSA) eingesickert waren und sich mit einer Palästinenser-Organisation verbündet hatten. Andere Palästinenser-Gruppen und die Armee lieferten sich schwere Gefechte mit ihnen. Die meisten Menschen flohen aus dem zerstörten Viertel.

In den vergangenen Tagen reiste eine PLO-Delegation nach Damaskus, um einen humanitären Korridor zwischen dem Regime und den Palästinensergruppen auszuhandeln, die bislang gegen Assads Truppen gekämpft hatten. Diese belagern Jarmuk seit knapp zwei Jahren.

Zuletzt kämpften Mitglieder der palästinensischen Aknaf Beit al-Maqdis, einer mit der Hamas verbündeten Gruppe, und der Freien Syrischen Armee gegen die IS-Dschihadisten. Das syrische Regime warf von Hubschraubern aus mehr als zwei Dutzend Fassbomben ab.

© Süddeutsche.de/AFP/Reuters/mane/fued
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