Bürgerkrieg in Syrien:Bittere Stimmung in Syrien

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Entsprechend bitter ist die Stimmung unter den Assad-Gegnern. Sie hatten Vorbereitungen getroffen, um einen Militärschlag auszunutzen. Ein einziges Mal wollten auch sie mit Luftunterstützung operieren, Boden gutmachen, den ihnen das Regime abgenommen hat. Aber nun spotten sie erbittert, Obama solle nach seinem Kongress doch auch noch das syrische Parlament befragen, eine Assad-hörige Schwatzbude.

Andererseits nützt es wenig, sich die befreiende Wirkung eines Militärschlages herbeizuträumen. Jede Armee, die syrischen Boden betritt, müsste nicht nur gegen Assads Soldaten kämpfen, sondern auch gegen ein Milizenheer. Sie hätte bald die aufständischen Dschihadisten gegen sich und würde die Wut der jetzt Verfeindeten auf sich ziehen. Die Zerstörung wäre noch größer - und das finale Ringen der Anhänger und Gegner Assads auf den Abzug der fremden Truppen vertagt.

In Kantone zerfallen

In Syrien herrscht nicht nur ein Stellungskrieg, sondern auch ein Bruderkrieg. Gotteskrieger und Freie Syrische Armee, Syrer und Ausländer, Araber und Kurden ringen um Boden. Das Land ist in Kantone zerfallen zwischen Assad, seinen Gegnern und den Kurden. Der Hass zwischen den Konfessionen entlädt sich in Pogromen. Wer sich in dieses Minenfeld wagt, muss mit einer sehr großen, diplomatisch breit verankerten Streitmacht einmarschieren. Oder gar nicht.

Amerika plant höchstens winzige Schläge. So ist der Umweg über die Chemiewaffen-Verhandlungen das Beste, was Washington passieren konnte. Der Status quo bleibt erhalten, bis jemand eine bessere Idee hat oder alle Beteiligten müdegekämpft sind. Nicht Regimewechsel ist das Ziel, sondern Einhegung des Konflikts. Selbst dies ist schwierig. Libanon, Irak und Jordanien wanken unter der Wucht des Syrien-Krieges, und Israel bleibt eine schwer berechenbare Größe. Schon einmal, vor gut einem Jahr, gab es Hoffnungen auf eine politische Lösung für Syrien, unterstützt durch den Sicherheitsrat. Die Initiative endete mit dem Rücktritt des zermürbten Vermittlers Kofi Annan. Er könne den Frieden nicht mehr wollen als die Beteiligten, sagte Annan damals. Daran hat sich nichts geändert.

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