Bürgerkrieg in Kolumbien:"Die Guerilleros haben Angst, in ihre Dörfer zurückzukehren"

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Es könnte nicht nur Santos' politische Karriere gefährden, sondern auch das ganze kolumbianische Volk teuer zu stehen kommen, wenn nun der Konflikt mit der Guerilla wieder aufflammt. Wie stehen die Chancen für Frieden?

Nach dem Plebiszit schlechter als zuvor. Die Guerilla-Kämpfer, die sich momentan in ihren Lagern im Dschungel verstecken, könnten die Volksabstimmung als ein Signal verstehen, dass große Teile der Bevölkerung sie entweder tot oder im Gefängnis sehen wollen. Das macht es ihnen schwerer, die Waffen niederzulegen. Vor allem die unteren Ränge der Guerilleros, die nicht in die Politik gehen können, sondern in ihre Dörfer zurückkehren müssen, haben Angst.

Wie hat sich der Krieg auf die Dörfer und die Bevölkerung ausgewirkt?

Während die Menschen in den Großstädten den Krieg vor allem aus dem Fernsehen und den Zeitungen kennen, haben viele von denen, die auf dem Land leben, den Konflikt direkt und hautnah miterlebt. Es gibt Familien, in denen ging ein Sohn zu den Farc, der andere schloss sich der Gegenseite, den Paramilitärs, an. Wenn nun Ex-Paramilitärs und Ex-Guerilleros als Nachbarn zusammenleben sollen, wird auch ein Friedensvertrag nicht helfen. Das Misstrauen gegenüber der jeweils anderen Seite ist enorm. Ich fürchte, es wird noch einmal viele Tote geben.

Die Farc werden ihre Strukturen vermutlich nicht einfach so auflösen, auch nach einem Friedensschluss nicht. Wie ließe sich eine solche Organisation befrieden?

Die Farc wollen sich zwar entwaffnen, aber nicht demobilisieren, sondern den ideologischen Kampf als politische Partei weiterführen. Ein Plan der Anführer ist es, die Strukturen ins zivile Leben zu überführen, also beispielsweise gemeinsam Agrarprodukte zu produzieren, diese zu verkaufen und den Gewinn zu teilen. Die Farc sind vor allem in den ländlichen Gebieten so etwas wie ein Ersatz für einen funktionierenden Staat. Das ist ein Teufelskreis: Die Farc sagen, wir werden hier gebraucht, weil der Staat die Regionen vernachlässigt. Und der Staat hält sich von den Gebieten fern, weil dort die Farc aktiv sind.

Das klingt, als wäre Kolumbien politisch und wirtschaftlich noch nicht stabil genug für den Frieden.

Aber es gibt auch keine Alternative dazu. Die Menschen in den ländlichen Gebieten, die vom Konflikt am meisten betroffen sind, haben am Sonntag mehrheitlich für den Friedensvertrag gestimmt. Ihnen war das politische Gezänk zwischen Uribe und Santos egal. Uribe sagt, er spreche für die Opfer, aber die wollen einfach, dass der Krieg endlich aufhört. Allein in diesem Jahr wurden bereits mehr als 50 Menschenrechtsaktivisten in Kolumbien getötet. Zu 80 Prozent gehen diese Taten auf das Konto von neo-paramilitärischen Gruppen, nicht auf das der Farc.

Für seine Bemühungen um den Frieden ist Präsident Santos im Gespräch um den Friedensnobelpreis. Hätte er ihn verdient?

Santos hat in den vergangenen Jahren sicherlich viel dafür getan, dass jetzt ein Frieden zwischen Guerilla und Regierung tatsächlich in greifbare Nähe gerückt ist. Aber in seiner Rolle als früherer Verteidigungsminister hatte er auch die Verschärfung des Konflikts und Menschenrechtsverbrechen mit zu verantworten. Es gibt die Überlegung, den Nobelpreis Santos und dem Farc-Anführer Rodrigo Lodoño Echeverri, genannt Timoschenko, gemeinsam mit fünf Opfern des Konflikts zu verleihen. Das wäre eine Versöhnungsgeste, die auch auf Uribe einwirken könnte. Würde der Oligarchen-Sprössling Santos den Preis allein erhalten, würden sich die Opfer zu Recht übergangen fühlen.

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