Bürgerkrieg in Kolumbien Rebellen sollen zur Wahl antreten

2005 wurde die Erhebung in Auftrag gegeben. Es war die Regierungszeit des Präsidenten Álvaro Uribe, der die Guerilla mit Härte bekämpfte und sich rühmte, die Paramilitärs entwaffnet zu haben - was allerdings nicht mit sehr großer Gründlichkeit geschah. Inzwischen agieren sie in einigen Gegenden - ähnlich wie die Rebellen - als gewöhnliche Verbrecherbanden.

Mitglieder der kommunistischen National Liberation Army (ELN) geben auf: Sie legen ihre Waffen nieder

(Foto: REUTERS)

Die städtische Bevölkerung habe stets versucht, mit dem Konflikt zu leben, in dem sie ihn ignorierte, stellt die Kommission fest. "Die Opfer mussten sich ihr Leid gegenseitig erzählen", sagt der Vorsitzende Sánchez. Aus diesem Grunde fordern er und seine Mitarbeiter, das Land müsse sich seiner kollektiven Erinnerung stellen. Der Präsident solle einleitend die Verantwortung des Staates "vor der ganzen Gesellschaft" anerkennen.

Rebellen sollen zur Wahl antreten

Santos scheint nicht abgeneigt zu sein. "Wir haben unseren Tiefpunkt erreicht und müssen einsehen, dass der Krieg uns entmenschlicht hat," sagte er. Seit Beginn seiner Regierungszeit 2010 wird intensiv mit den "Revolutionären Streitkräften Kolumbien" (Farc) in Oslo und Havanna über Frieden verhandelt. Die linken Rebellen sind misstrauisch, seit sie sich in den Achtzigerjahren auf einen Friedensprozess einließen und Vertreter zur Wahl stellten. Einmal identifiziert, wurden sie zur Zielscheibe der Paramilitärs, die ein Gemetzel unter den Mitgliedern der UP (Unión Patriótica) veranstalteten. Als fast niemand übrig war, wurde die UP von der Wahlliste gestrichen. Anfang Juli jedoch wurde sie demonstrativ rehabilitiert und zur nächsten Wahl zugelassen, was die Eingliederung von Rebellen in die Politik erleichtern soll.

Auch die juristische Aufarbeitung der Verbindung von hohen Politikern zu Paramilitärs geht voran: Zwei ehemalige Kongressabgeordnete wurden am Mittwoch zu jeweils neun Jahren Haft verurteilt, weil sie im Wahlkampf 2006 von den paramilitärischen "Vereinigten Selbstverteidigungskräften Kolumbiens" unterstützt wurden. Im Mai wurde der frühere Parlamentspräsident César Pérez wegen eines Massakers an linken Aktivisten von 1988 zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt.