Bürgerkrieg in Jemen Iran fordert Ende der saudischen Militärangriffe

Irans Präsident Hassan Ruhani wirft Saudi-Arabien vor, dass es bei den Angriffen auf Jemen nur um die Vormachtsstellung in der Region geht.

(Foto: dpa)
  • Irans Präsident Hassan Ruhani verlangt von Saudi-Arabien, seine Militärangriffe auf Jermen einzustellen. Er hat der UNO einen Friedensplan für die Region vorgelegt.
  • Eine von Saudi-Arabien geführte arabische Allianz greift seit Ende März militärisch in den Bürgerkrieg in Jemen ein.
  • Die Bundesregierung hat mindestens 100 Menschen aus Jemen ausfliegen lassen, darunter auch einige deutsche Staatsbürger.
  • Saudi-Arabien stellt der UNO Hilfsgelder in Höhe von umgerechnet 253 Millionen Euro für Jemen zur Verfügung. Den Menschen fehle es an Medikamenten, Trinkwasser und Nahrung.

Iran verlangt politische Lösung in Jemen

Irans Präsident Hassan Ruhani hat Saudi-Arabien aufgefordert, die Militärangriffe auf Huthi-Rebellen in Jemen einzustellen. "Was immer Ihr (Saudis) verfolgt, Angriffe auf unschuldige Kinder bringen Euch keine regionale Vormachtstellung, sondern nur Schande", sagte Ruhani während einer Militärparade in Teheran. Die Angriffe würden eine Spirale der Gewalt in der Region auslösen, was letztlich auch Konsequenzen für Saudi-Arabien haben werde.

Ruhani verlangte erneut eine politische Lösung der Jemen-Krise. Der Atomstreit mit dem Westen habe gezeigt, dass es keine Differenzen in der Welt gebe, die nicht durch politische Verhandlungen gelöst werde könnten, sagte der Kleriker.

Eine von Saudi-Arabien geführte arabische Allianz mischt sich seit dem 26. März in den jemenitischen Bürgerkrieg ein. Die Angriffe richten sich gegen die schiitischen Huthi-Rebellen, die weite Teile des Landes einschließlich der Hauptstadt Sanaa eingenommen haben. Der nach Saudi-Arabien geflüchtete Präsident von Jemen, Abed Rabbo Mansur Hadi, hat Iran vorgeworfen, die Huthi-Rebellen zu unterstützen.

Bundesregierung lässt Deutsche ausfliegen

Die Bundesregierung hat mehr als 100 Menschen aus dem Bürgerkriegsland ausfliegen lassen, darunter deutsche Staatsbürger. Das teilte das Auswärtige Amt am Freitag in Berlin mit. Die gecharterte Maschine einer jordanischen Fluglinie landete demnach im ostafrikanischen Dschibuti. An Bord befanden sich auch Bürger anderer Staaten, darunter zahlreiche aus EU-Ländern.

Zuletzt hielten sich noch etwa 80 Deutsche in dem Bürgerkriegsland auf. Wie viele von ihnen nun in Sicherheit gebracht wurden, sagte das Auswärtige Amt zunächst nicht. Auch eine Evakuierung durch die Bundeswehr war erwogen worden.

Iran legt UN Friedensplan für Jemen vor

Iran hat den Vereinten Nationen einen vier Punkte umfassenden Plan zur Befriedung des gewaltsamen Konflikts in Jemen vorgelegt. Dieser sieht eine Waffenruhe und eine Einstellung sämtlicher ausländischer Militäreinsätze, die umgehende Bereitstellung humanitärer Hilfen, eine Wiederaufnahme politischer Gespräche sowie die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit vor, wie Außenminister Mohammed Dschawad Sarif in einem Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ausführte. Die UNO müsse sich für ein Ende der "sinnlosen Luftangriffe" einsetzen, hieß es darin zudem.

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Auch China bietet sich als Vermittler an. Präsident Xi Jinping habe in einem Telefonat mit Saudi-Arabiens König Salman angeboten, in enger Abstimmung mit allen Konfliktparteien eine Resolution zur Beendigung der kriegerischen Auseinandersetzungen vorzubereiten, teilte das chinesische Außenministerium mit. Alle Beteiligten sollten sich an die Entscheidungen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen halten und die Vorschläge des Golf-Kooperationsrates beherzigen, um eine rasche Rückkehr zur Normalität zu ermöglichen. China, das im Nahen und Mittleren Osten bislang keine führende politische Rolle einnimmt, ist auf Ölimporte aus der Region angewiesen.

Erst vor kurzem hatte der UN-Sonderbotschafter für Jemen sein Amt niedergelegt. Inmitten des tiefen Konflikts war Jamal Benomar zurückgetreten. Der 58-jährige marokkanische Diplomat ziehe damit die Konsequenzen daraus, dass er den Rückhalt der arabischen Golfstaaten verloren habe. Benomar hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon seit 2012 als Jemen-Gesandter gedient.

Saudi-Arabien stellt Hilfsgelder zur Verfügung

Saudi-Arabien hat der UNO für ihren humanitären Einsatz in Jemen 274 Millionen Dollar zugesagt. Dies habe König Salman angeordnet, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Spa unter Berufung auf ein Dekret des Monarchen. Riad reagiert damit auf einen Hilfsappell der Vereinten Nationen, die genau diese Summe (umgerechnet 253 Millionen Euro) gefordert hatten, um die mehr als 7,5 Millionen von dem Konflikt betroffenen Menschen im Jemen mit dem Nötigsten versorgen zu können.

Die Hilfsorganisationen vor Ort seien dringend auf Unterstützung angewiesen, erklärte die UNO in ihrem Aufruf an die Staatengemeinschaft. Tausende Familien seien durch die Kämpfe vertrieben worden. Ihnen fehle es an Medikamenten, Trinkwasser und Nahrung.

Saudi-Arabien führt eine Militärkoalition an, die seit drei Wochen Luftangriffe auf die Huthi-Rebellen im Jemen fliegt. Die schiitische Miliz und mit ihr verbündete Soldaten liefern sich seit Wochen heftige Kämpfe mit den Truppen und Milizen von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi.