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Buchmesse:Großes Symbol

Die schwer gebeutelte Branche lässt sich nicht unterkriegen.

Auch die Frankfurter Buchmesse hat ihre Naturgesetze, und eines davon war bisher, dass man sich dort spätestens am dritten Tag eine sogenannte Messe-Erkältung holt. Lange Tage in lauten, vollen Hallen, Verhandlungsorgien und Gesprächsreigen, kurze, kontaktreiche Nächte - zweifellos handelt es sich bei diesen fünf Tagen im Herbst um eine Art internationale Ansteckungsparty.

Dass die Buchmesse voraussichtlich auch in diesem Jahr stattfinden soll, überrascht also. Zumal sie mit deutlich weniger Ausstellern als sonst rechnet. Einige der größten Häuser sind nicht dabei, und aus Amerika und Asien werden wohl kaum Verlage oder Teilnehmer anreisen. Die Veranstalter sprechen von einer "Europäischen Messe" - die aktuelle Provinzialisierung der Welt macht auch vor dem Literaturbetrieb nicht halt.

Um das große Geld geht es hier jedenfalls nicht. Eher um das große Symbol. Die Entschlossenheit, mit der in Frankfurt an einer machbaren Messe gearbeitet wird, die Mischung aus Kontaktfreude und Vorsicht, die aus den Plänen spricht, ist gesellschaftlich ähnlich bedeutsam wie die Wiederaufnahme der Bundesliga. Eine gebeutelte Branche tut das Mögliche, um sich - ihr Publikum, die Party - nicht aufzugeben. Daraus könnte eine Vorbildwirkung für das gesamte kulturelle Leben mit der Pandemie entstehen.

© SZ vom 29.05.2020

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